Hallo ihr lieben :)

Hallo alle zusammen!
Von hier aus werde ich die nächsten zwölf Monate von meinem weltwärts-Jahr in Indien berichten! Ich hoffe ich komme einigermaßen regelmäßig zum schreiben und freue mich natürlich über Kommentare von euch!

Sa

12

Mai

2012

Unterwegs...

Bangalore - Mumbai - Udaipur - Agra - Delhi - McLeo Ganj - Manali - Dehradun - Lucknow

 

...und immernoch bin ich unterwegs und genieße die Zeit! Spätenstens wenn ich zurück im Dorf bin, werden Berichte folgen!

 

Liebe Grüße von eurer Lea

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Mo

30

Apr

2012

Familienbesuch :)

Am vierten März-Wochenende war es endlich soweit: nach acht Monaten sollte ich endlich meine Familie wiedersehen! Meine Eltern und meine beiden Brüder hatten einen Flug gebucht, der sie in der Nacht von Samstag auf Sonntag nach Bangalore bringen sollte. Die Vorstellung, meine Lieben nach so einer langen Zeit in meiner neuen zweiten Heimat zu sehen, war schon ziemlich komisch.

Nachdem ich mit anderen Freiwilligen am Abend des Samstag noch Luisas Geburtstag gefeiert hatte, kam dann schließlich gegen halb vier der lang ersehnte Moment: mit Rucksäcken bepackt standen sie alle an der MG Road, mitten in Bangalore, mitten in diesem verrückten Land. Die Freude war auf beiden Seiten riesig groß! Da es jedoch schon ziemlich spät war, gingen wir ziemlich schnell schlafen.

Der nächste Morgen begann mit den ersten Eindrücken für meine Familie. Zu Fuß erkundeten wir den Weg ins Matheo Café, einen der wenigen Orte, an dem man gut schmeckenden Kaffee in Bangalore bekommt. Am selben Tag erledigten wir noch die ein oder anderen Einkäufe und bereiteten uns darauf vor, die Nacht in einem Bus zu verbringen, der uns in die Western Ghats bringen sollte, das Gebirge, das Kerala von Tamil Nadu trennt. Nachdem wir unser Gepäck aus dem Hotel abgeholt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Einstiegspunkt des Busses. Von dort ging es noch einmal mit einem kleinen Shuttle zum eigentlichen Bus-Büro, das am KR Market liegt, mit dem wir einige Tage späten noch einmal Bekanntschaft machen sollte, aber davon später mehr.

Der sogenannte „Sleeper-Bus“, der uns dort erwartete, war überraschend gemütlich und komfortabel. Wir hatten Schlafkojen am Ende des Busses bestellt und so hatten wir relative Ruhe. Joel genoss sein Einzelbett und beklagte, dass es so eine Art von Reisemöglichkeit in Deutschland nicht gäbe. Ich war in der Tat so müde, dass es nicht lange dauerte, bis ich eingeschlafen war, meine noch nicht Indien-erfahrene Familie hatte mit dieser Art des Reisens aber so ihre Probleme und die tatsächliche Ruhezeit war sehr begrenzt. Ich erwachte am nächsten Morgen, als wir in die Anfänge des Gebirges fuhren, und die Straßen immer abenteuerlicher wurden. Der große Reisebus erklomm Meter um Meter und fuhr nur Zentimeter vom Abgrund getrennt auf engen Straßen dahin. Die Landschaft durch die wir fuhren war unglaublich schön, hier befinden sich auch viele Nationalparks und nach einigen Stunden sahen wir auch die ersten Tee-Plantagen, die uns die baldige Ankunft in unserem Zielort Munnar ankündigten.

Auf meiner letzten Reise mit Ronja im Januar war ich bereits hier gewesen und es hatte mir so gut gefallen, dass ich mit meiner Familie hier noch einmal hin zurück wollte. Wir kehrten auch im selben Hotel ein, das etwas abseits von größten Getümmel an einem Hang liegt. Wir bezogen zwei gemütliche Zimmer, eins mit Balkon und mit Blick über den kleinen Ort. Von Benoy, dem verrückten Hotel-Manager, wurden wir mit dem obligatorischen „Willkommens-Tee“ begrüßt.

Da meine lieben Verwandten von der Reise doch ziemlich geschafft waren, wurde erst mal der halbe Tag verschlafen, bevor wir zu einem leckeren Abendessen in den Ort hinunter gingen. Begeistert probierten meine Brüder die Speisekarte durch, die zum Glück mit Fotos zu jedem Gericht ausgestattet war, das erleichterte die Auswahl doch etwas.

Für den nächsten Tag hatten wir uns eine kleine Tour vorgenommen, sie sollte uns ein einen Gewürzgarten führen. Vorher besuchten wir jedoch noch das Tee-Museum von Munnar, in dem man den groben Ablauf der Teeproduktion erklärt bekommt. Einige antike Gegenstände aus der britischen Kolonialzeit waren auch ausgestellt. Bepackt mit viel Tee ging es danach wieder zum Hotel zurück. Nachmittags brachen wir dann zu unserem Ausflug auf. Die Fahrt führte uns an großen Teeplantagen vorbei, die die Hügel mit saftigem grün überzogen. Die Fortbewegung in der Rikscha war für meine Lieben aber immer noch ein Abenteuer und es machte mir immer wieder Spaß zu sehen, wie sehr ich mich doch schon daran gewöhnt habe. Im Gewürzgarten gab es die verschiedensten Gewächse zu bestaunen und die kleine Führung endete auf einem Baumhaus, das etwa zehn Meter über dem Boden angebracht worden war. Am nächsten Morgen machten wir uns schon früh auf den Weg, denn wir wollten am Vormittag bis zur Top-Station, einem der schönsten Aussichtspunkte um Munnar herum kommen. Im Gegensatz zu meinem Ausflug im Januar war ich diesmal mit der Rikscha unterwegs, so konnten wir viel besser sehen, da es langsamer voranging. Die Aussicht war immer wieder atemberaubend, wir fuhren an Seen und Tälern entlang und konnten sogar an einer Stelle wilde Elefanten sehen! Die Top-Station war dann leider etwas Wolkenverhangen, trotzdem war es ein toller Ausflug!

Am nächsten Tag mussten wir uns schon wieder von Munnar und dem angenehm kühlen Wetter verabschieden und nahmen den Sleeper-Bus zurück nach Bangalore. Dort sollten wir am nächsten Tag gegen sechs Uhr morgens ankommen. Die Fahrt zurück war weniger angenehm als die Hinfahrt, da der Busfahrer doch einen sehr gewöhnungsbedürftigen Fahrstil an den Tag legte.

Nach einer weniger angenehmen Nacht kamen wir ziemlich früh am Morgen, gegen sechs Uhr am KR Market in Bangalore an. Dieser Ort ist einer der weniger schönen in der Millionenstadt, ziemlich dreckig und zugemüllt. Trotzdem mussten wir uns noch die ein oder andere Stunde totschlagen, denn der Direktbus ins Dorf sollte erst um halb elf abfahren. In dem wir von einem schmuddeligen Restaurant zum nächsten wanderten vertrieben wir uns die Zeit und schließlich war es soweit, die Fahrt konnte losgehen. Die Fahrt verlief viel entspannter als meine Eltern erwartet hatten, da ich schon so viel schlimmes berichtet hatte (gerade auf der Hinfahrt war ein Mann direkt vor mir bei voller Fahrt aus der offenen Tür gefallen...). Trotzdem waren wir sehr froh, als wir mein Dorf endlich erreichten. Zu Hause wurden wir gleich von Vivek und Archana begrüßt, die schon auf uns gewartet hatten.

Ich war unglaublich froh wieder im Dorf zu sein, ich hatte es in der knappen Woche doch einfach ziemlich vermisst! Da es Donnerstag war, durften meine Familienangehörigen uns Freiwillige beim üblichen Tempel Besuch begleiten. Wir waren eine ziemlich große Gruppe diesmal, vier Freiwillige und fünf Gäste (die Freundin von Vale war auch noch da). Der Tag ging dann mit einem leckeren Abendessen bei Usha zu ende.

Am nächsten Morgen mussten wir früh aufstehen, denn es war Schule wie immer! Die Kinder genossen die Anwesenheit so vieler Gäste und alle wurden neugierig belagert. Nach der Schule verabredeten sich meine Brüder mit ein paar Jungs zum sportlichen Kulturaustausch auf dem Feld am Rande des Dorfes. Sie hatten in Munnar einen Fußball gekauft, den sie natürlich gleich ausprobieren wollten. Also kam gegen fünf eine ganze Horde von Kindern zu unserem Haus, um alle abzuholen. Auf der großen kargen Fläche am Rande der neuen muslimischen Siedlung wurde dann sowohl Cricket, als auch Fußball gespielt. Alles in allem ein wirklich schöner Nachmittag/Abend!

Am nächsten Tag war der kurze Besuch in meinem Dorf auch schon wieder vorbei, wir machten uns nach ausführlichem Abschied sowohl von den Kindern als auch von meinen Mitfreiwilligen mit dem 11-Uhr-Bus auf nach Bangalore, da Joel leider schon an diesem Abend wieder den Flieger zurück nach Deutschland nehmen musste. In Bangalore nutzten wir die Zeit, um noch die ein oder anderen Dinge einzukaufen und einen Kaffee im Matteo zu schlürfen. Dann war es auch schon wieder soweit, ich musste mich von Joel verabschieden.

Am folgenden Tag hieß es dann auch erst mal Abschied von meiner Familie für etwa fünf Tage nehmen, denn ich musste zurück ins Dorf und die drei wollten gemeinsam Mysore erkunden.

Am Sonntag Abend ging dann auch die gemeinsame Zeit mit Valentina zu ende, die leider nur ein halbes Jahr in Ramasamudram Freiwilligendienst gemacht hatte und für die es jetzt Zeit war, nach Hause zurück zu kehren. Auch Noemis Zeit endete am nächsten Tag. Damit wurde es auf einen Schlag wieder so ruhig im Haus wie zu Beginn der Zeit und ein ganzes Stück Lebendigkeit und buntes Treiben ging mit den Zweien. Es ist schon komisch, jetzt dieses große Haus wieder nur zu zweit zu bewohnen. Zum Glück kommen Nachmittags immer Kinder vorbei und vertreiben mir die Zeit :)

Erst am nächsten Freitag sah ich meine Eltern und Noah wieder. Ich wollte mit dem 4-Uhr-Bus in Ramasamudram losfahren, dieser kam jedoch einfach nicht, so dass ich erst eine Stunde später losfahren konnte, und dann auch noch mit einer Verbindung, die ich noch nie genommen hatte. Irgendwann in Chintamani lotste man mich aus dem Bus und meinte, ich müsste in einen anderen umsteigen. Dies klappte zum Glück einigermaßen gut, der Bus war jedoch ziemlich voll und ich verbrachte die nächsten zwei Stunden eingequetscht mit einem schlafenden Kind auf dem Schoß.

Trotzdem lohnte sich diese Fahrt natürlich und ich hatte noch zwei tolle Tage mit meiner Familie! Am Sonnabend besichtigten wir zuerst eine Kunstgalerie mit lokaler und internationaler Kunst und bummelten über den kleinen Handwerkermarkt, der davor stattfand. Danach fuhren wir mit dem Taxi zu den Büroräumen der Software AG, der Firma, bei der mein Papa arbeitet und die eine Zweigstelle in Bangalore unterhalten. Papa wollte gerne die Gelegenheit nutzen zu sehen, wo seine indischen Kollegen denn arbeiten. Da Sonnabend war, trafen wir das Büro ziemlich verlassen an, ein freundlicher Mann der Security führte uns trotzdem gerne herum. So hatte ich auch noch einmal die Gelegenheit, etwas anderes von Bangalore zu sehen. Den Abend rundeten wir mit gemütlichem Beisammensein auf den Hotelzimmern ab.

Nachdem wir am nächsten Tag noch die letzten Einkäufe erledigt hatten, mussten wir auch schon wieder Abschied nehmen, die zwei Wochen waren doch wirklich schnell vergangen! Es war eine so tolle Zeit zusammen und es war wunderschön für mich, meiner Familie mein Leben hier in Indien wenigstens zum Teil zeigen zu können!

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Do

26

Apr

2012

Auf zur großen Reise!

Hallo ihr Lieben,

 

ich werde morgen meine große Sommerreise starten und erst in etwa fünf Wochen zurück sein! Diese wird mich durch andere Teile dieses aufregenden Landes führen und bestimmt mein Bild von Indien noch einmal verändern. Die Schule ist in dieser Zeit geschlossen, heute haben wir als letzte Amtshandlung noch die sogenannten „Progress-Cards“ an die Kinder verteilt, die vorher von uns in mühevoller Arbeit mit den jeweiligen Noten versehen worden waren.

Mit diesem Schuljahr geht noch einmal ein Abschnitt zu Ende, meine Lieblingsklasse wird nach diesen Ferien nicht mehr zurückkehren, sie verteilen sich an die High-Schools im Dorf und in der Umgebung. Einige der Kinder werden aber auch auf Schulen gehen, die weiter entfernt liegen, das bedeutet für sie dann, dass sie im Hostel leben müssen und nur an den Wochenenden nach Hause kommen. Das stand einigen doch schon sehr bevor, die Kinder sind ja erst elf oder zwölf Jahre alt.

Eben wurde ich von Archana und Gowthami nur widerwillig verabschiedet, sie wollten mich nur ungern gehen lassen...

 

Ich versuche mich auf jeden Fall von Unterwegs zu melden, der Bericht vom Besuch meiner lieben Familie steht ja auch noch aus!

 

Viele Liebe Grüße aus dem ziemlich heißen Indien von eurer Lea

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Sa

07

Apr

2012

Besuch bei Chaitanya und Pavan

Bhaskar und ich Bhaskar und ich

Am nächsten Wochenende waren wir von zwei Schülern eingeladen worden, sie in ihrem kleinen Dorf zu besuchen. Da wir gerne etwas mehr von der Gegend sehen wollten, nahmen wir die Einladung gerne an. Um vier Uhr am Nachmittag wurden wir von den beiden, Chaitanya und Pavan von zu hause abgeholt. Einige andere Kinder hatten davon Wind bekommen und wollten uns gerne begleiten. Am Ende waren wir also eine recht große Gruppe. Ravi Teja, Bhaskar, Mahesh Babu, Sayedvalli, Archana, Vivek, Ramana und wir versuchten für so viele Leute ein paar Fahrräder aufzutreiben. Bei den verschiedenen Fahrradverleihs im Dorf liehen wir das ein oder andere aus und verteilten uns und die Kinder darauf. Am Ende hatte ich Bhaskar auf dem Gepäckträger und Ravi auf der Stange, aber alles ging gut und wir fuhren, von den anderen Bewohnern des Dorfes neugierig beäugt los. Es ging durch eine tolle Landschaft, Felder und holprige Wege, es war einfach toll, mit den Kindern unterwegs zu sein!

Nach etwa einer halben Stunde Fahrt kamen wir in dem kleinen Dorf der beiden an, das eigentlich nur aus drei Häusern besteht und mitten zwischen den Felder liegt. Wir wurden freundlich von den Eltern von Chaitanya empfangen und tranken den obligatorischen Chai und bekamen leckere Kekse. Nachdem wir von unserem stolzen Schüler herumgeführt worden waren, mussten wir ins nächste Haus, um auch die Eltern von Pavan kennenzulernen. Es war toll zu sehen, wie einfach hier gelebt wird, gekocht wird über dem offenen Feuer und die Tiere leben direkt vor der Tür. Diese kleine Dorf ist eine echte Idylle, umgeben von Stille und zwischen Feldern und kühlenden Bäumen. An einem solchen Ort fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt, es hat mir unglaublich gut gefallen! Am meisten genoss ich aber, mit den Kindern unterwegs zu sein, die Lebensfreude, die sie ausstrahlen, ist für mich immer wieder beeindruckend!

Bhaskar und ich :) Bhaskar und ich :)

Nachdem wir noch reich mit Mangos beschenkt worden waren, machten wir uns auf den Rückweg nach Ramasamudram. Es war ein unvergesslicher Nachmittag!

 

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Sa

07

Apr

2012

School-Day-Celebration

Bhaskar, Vivek und Pavan fertid für "Dornröschen" Bhaskar, Vivek und Pavan fertid für "Dornröschen"

Am 11. März war es dann endlich soweit: das Ereignis, auf das die Kinder und wir Freiwillige so lange gewartet hatten sollte an diesem Tag stattfinden. Schon morgens war die Schule voll von aufgeregten Kindern und Lehrern, Ushas Familie war auch noch angereist. Das ganze Programm sollte noch einmal komplett geprobt werden, alles verzögerte sich dann aber, da der „Dancing-Master“ mal wieder auf sich warten ließ.

Ronja, die einen traditionellen indischen Tanz vorführen wollte, für den sie seit Wochen geprobt hatte, wurde von Kiran-May, der Schwiegertochter von Usha mit spezieller Farbe an Händen und Füßen bemalt. Am frühen Nachmittag war es dann endlich soweit, Ronja und ich sollten für diesen festlichen Anlass in Sarees gekleidet werden. Da wir das nicht selber können, musste uns dabei geholfen werden. Die zwei Lehrerinnen Roja und Vimella hatten aber großen Spaß dabei, uns einzukleiden und so waren wir nach nur etwa einer Dreiviertelstunde präsentabel.

Vivek, Bhaskar, Gowthami, Archana und ich Vivek, Bhaskar, Gowthami, Archana und ich

In Begleitung vieler Kinder machten wir uns auch sogleich auf den Weg in Richtung Z.P. High School, wo die Feier stattfinden sollte. Dort herrschte schon geschäftiges Treiben, alle Kinder waren dabei, sich für ihre jeweiligen Auftritte zurechtzumachen und stolze Eltern, die ihre Kinder besonders hübsch machen wollten, wuselten dazwischen umher. Das Chaos war so groß, dass ich den Anfang der Feier ganz verpasste. Ich bestaunte die kunstvollen Verkleidungen der Kinder: Reddy, der als Gandhi komplett mit weißer Farbe angemalt wurde, Vivek, der mit Perücke plötzlich so anders aussah und die Mädchen, die nach plötzlicher Haarverlängerung blumenverzierte Zöpfe bis zum Hintern hatten.

Bhaskar mit Gandhibrille und ich Bhaskar mit Gandhibrille und ich

Ich genoss die Aufregung und das Chaos um mich herum. Viele Besucher waren gekommen und es wurde langsam immer voller. Den ein oder anderen Programmpunkt bekam ich dann doch noch mit, zum Beispiel den Rock'n'Roll, den wir mit zehn Kindern eingeübt hatten. Alle sahen sehr schön aus, die Jungs in ihren schwarzen Hosen und weißem Hemd, die Mädchen in ihren besten Kleidern. Danach machten wir die Kinder für unser Theaterstück „Dornröschen“ fertig. Alles musste sortiert werden und die vielen Kinder an die richtigen Stellen dirigiert werden. Der Auftritt selber lief dann leider etwas chaotischer ab als erhofft, war aber trotzdem ein Erfolg! Und am besten war natürlich, dass die Kinder großen Spaß dabei hatten!

Der Abend ging noch ziemlich lange weiter, es war großartig, alles mit zu erleben. Erst um halb zwölf waren wir zurück in der Schule, um noch ein spätes Abendessen zu uns zu nehmen...

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So

11

Mär

2012

Sprachlos

Es ist warm. Die Luft, die wegen des immer näher rückenden Sommers sowieso schon heiß ist, wird weiter aufgeheizt durch die Aufregung und Freude der vielen Kinder, die dicht gedrängt auf der rechten Seite des Raumes auf dem Boden sitzen. Mit großen, glitzernden Augen verfolgen sie die verschiedenen Darbietungen, die sich auf der freien Fläche des Raumes abwechseln. Ein Tanz folgt dem nächsten, dazwischen ein Theater auf Telugu, unser englisches Theater und, und, und...

 

Ich sitze zwischen den Kindern, eine weiche Wange schmiegt sich an meine, lockiges kurzes Haar kitzelt mich im Ohr. Meine Hand ist mit einer kleinen braunen Hand verschränkt, die sich ab und an im Takt der rhythmischen indischen Musik bewegt. Ravi Teja, du bist wundervoll! Auf mein anderes Bein hat sich Rupee gesetzt, seine Augen strahlen freudig, ich lege meinen Arm um seine kleinen Schultern. Gemeinsam mit den Kindern staune ich über jeden der Programmpunkte, lache mit ihnen, erfreue mich an ihren strahlenden Gesichtern und bewundere ihre Geduld, jedem der Programmpunkte Aufmerksamkeit zu schenken, obwohl schon seit Stunden geprobt wird.

 

Alle stecken mitten in den Vorbereitungen für das große Ereignis, das schon morgen Abend stattfinden soll! Seit Tagen ist von nichts anderem mehr die Rede, die Organisatoren der verschiedenen Programmpunkte haben Mühe, einmal alle Akteure auf einmal zum proben zu bekommen, alle sind überall eingespannt und wuseln mit Verkleidungen und Requisiten in der Schule herum. Nur noch wenige Stunden trenne uns von dem größten Ereignis, dass der Schulkalender zu bieten hat.

 

Die Schule wurde seit Tagen auf dieses Fest vorbereitet, es wurde gemalt, gebastelt und alles geschmückt. Alles wurde noch einmal gründlich geputzt, jetzt scheint alles fertig zu sein, um morgen das Filmteam zu empfangen, das nicht nur das Programm, sondern auch die Schulräume aufnehmen wird. Bunte Girlanden schmücken jede Ecke, alles wirkt bunt und freundlich und ich frage mich, warum es nicht immer so aussehen kann... Ein Gefühl von unbeschreiblichem Glück steigt in mir auf. Ich schaue in die Gesichter der Kinder, die mir so unglaublich ans Herz gewachsen sind, ich habe das Gefühl, dass mich mit jedem dieser Kinder etwas besonderes verbindet, jedes dieser Kinder hat etwas unbeschreibliches an sich, das mich mit Freude und Glück erfüllt und mir hier so eine tolle Zeit beschert! Ich fühle mich zu hause unter ihnen, es tut gut, nicht nur Lehrerin, sondern auch Freundin für sie geworden zu sein.

 

„Lea Miss, Lea Miss“ Ein hohes Stimmchen ertönt neben mir, kleine Hände greifen nach meiner Hand, ziehen sie und ich bekomme einen feuchten Kuss auf die Hand gedrückt. Danach folgt die andere und zum Abschluss wird mir ein strahlendes Lächeln mit Zahnlücke geschenkt. Meine Hand fährt durch geöltes Haar, meine Finger werden fettig, ich bekomme das Strahlen einfach nicht mehr aus dem Gesicht und mein Herz ist erfüllt von den Klängen dieses indischen Vormittags!

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Di

06

Mär

2012

Geburtstag auf "Indisch"

Überraschung vor meiner Tür Überraschung vor meiner Tür

Gibt es etwas schöneres, als an seinem zwanzigsten Geburtstag eine ganze Schule voller wunderbarer Kinder um sich zu haben, die einem einen unvergesslichen Tag bereiten?

Der Tag begann schon außergewöhnlich, als ich die Tür meines kleinen Zimmers öffnete und eine große Zwanzig aus Blütenblättern vorfand, die mir meine tollen Mitfreiwilligen dekoriert hatten. Ein schöner „Happy Birthday“-Schriftzug hing darüber an der Wäscheleine, neben bunten Luftballons, die auch noch andere Stellen im Haus schmückten.

Schon auf dem Weg zur Schule wurde mir von mehreren Kindern gratuliert, in der Schule dann sangen sie mir alle nach dem üblichen Morgen-Prayer ein Geburtstagsständchen und klatschten für jedes abgeschlossene Jahr. Eigentlich ist es hier so üblich, dass das Geburtstagskind die Prayer vorspricht, aber das lehnte ich dann doch dankend ab...

Babajan und ich Babajan und ich

Einige Kinder schenkten mir Süßigkeiten, andere sogar Ohrringe oder kleine Briefchen. Über jedes dieser Geschenke freute ich mich riesig! Das Austeilen der üblichen Süßigkeiten gestaltete sich aber wegen der großen Anzahl der kleineren Kinder als ziemlich schwierig, denn plötzlich hatte ich vierzig begeisterte Kleinkinder um mich, die mir ihre kleinen Händchen entgegen streckten.

So einen heißen Geburtstag wie diesen indischen habe ich mit Sicherheit auch noch nicht erlebt. Die Temperaturen schienen immer höher zu klettern und Mittags konnte man es unter den wenig kühlenden Dächern der Schule kaum aushalten. Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen mit den Kinder herumzualbern und mich an ihnen zu erfreuen. Immer wieder schüttelte ich kleine Hände und hörte „Wish you happy birthday, Lea Miss!“.

Kinder in unserem Haus Kinder in unserem Haus

Nach der Schule ruhte ich mich mit meinen Mitfreiwilligen etwas auf dem Dach vom Schultag aus, denn später am Abend sollten noch einmal ein paar Kinder vorbeikommen, sie hatten sich zum Kuchen anschneiden angekündigt. Ich rechnete so mit vielleicht fünf bis zehn Kindern, am Ende kam natürlich, wie so vieles hier in Indien, mal wieder alles anders und ich hatte fast dreißig Kinder auf dem Dach und im Haus. Dementsprechend chaotisch wurde dann auch alles und als es dann ans Kuchen anschneiden kam, folgte die nächste Überraschung: die Kinder wollten den Kuchen nicht essen, sondern alleine mir in den Mund stopfen. Anscheinend ist es hier Sitte, dass das Geburtstagskind von seinen Gästen gefüttert wird, also hatte ich bald den Kuchen im ganzen Gesicht verteilt und im Prinzip alleine gegessen...

Ich werde mit Kuchen gefüttert Ich werde mit Kuchen gefüttert

Ich wurde noch einmal von vielen Kindern reich beschenkt, mit Armreifen, Ketten, Ohrringen und Ringen, sowie Süßigkeiten aller Art. Und immer wieder fiel mir an diesem Abend auf, wie sehr ich die Kinder doch lieb gewonnen habe!

Nachdem wir die Kinder nach langer Zeit doch noch aus dem Haus bekamen, gab es bei Usha noch einmal ein leckeres Abendessen.

...noch mehr Kuchen ...noch mehr Kuchen

Dieser Geburtstag war definitiv einer der schönsten meines Lebens! Die vielen kleinen wunderschönen Momente mit „meinen“ Kindern und meinen Mitfreiwilligen machen diesen Tag zu einem unvergesslichen Erlebnis!

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Di

14

Feb

2012

Auf Reisen - Teil II

Nach unserer letzten Reise, die uns nur nach Tamil Nadugeführt hatte, wollten wir uns jetzt daran machen,auch die Westseite des südlichen Indien zu erkunden, sprich nachKeralareisen.Trotzdem zog es uns doch noch einmal nach Tamil Nadu, denn wir wollten an den südlichsten Punkt dieses Subkontinents.

Tempel auf der vorgelagerten Insel Tempel auf der vorgelagerten Insel

- Kanniyakumari -

An der Südspitze des indischen Subkontinents treffen drei Meere aufeinander, derindische Ozean, das arabische Meerund der Golf von Bengalen, man kann Sonnenaufgang und Sonnenuntergang von einem Punkt aus über dem Meer sehen. Wir fuhren mit dem Sleeperbus über Nacht und kamen morgens so an, dass wir noch den ganzen Tag für Besichtigungen nutzen konnten.

Kanniyakumariist ein nettes kleines Städtchen, das Unmengen von Pilgern besuchen. Die Straßen waren voll von in schwarz gekleideten Männern, da Frauen zwischen zehn und fünfzig Jahren nicht pilgern dürfen. Viele dieser Männer pilgern jedes Jahr, was, wie uns ein netter junger Mann erzählte, Einfluss auf die Pilgerkleidung hat. In den ersten beiden Jahren trage man nur schwarz, danach könne man einen orangenen Schal umlegen. Wer das 18. Jahr pilgert, dürfe sich ganz in orange oder einer anderen Farbe kleiden. Wir schoben uns durch die Pilger-Horden und besichtigten den Kumari-Amman-Tempel, der ziemlich nahe am Wasser erbaut wurde. Auch das Gandhi-Memorialließen wir uns nicht entgehen, dass aber wenig spektakulär war, und recht lieblos wirkte. An der Stelle, an der es erbaut ist, hat die Asche von Gandhi gestanden, bevor sie im Meer verstreut wurde. Im rosafarbenen Bau befindet sich eine lieblose Ausstellung über Gandhis Leben, die aus einigen Fotos besteht, die mit ausschließlich tamilischer Beschreibung ausgestattet sind. Wir schlenderten noch ein bisschen durch die kleinen Gassen. Ein bisschen weiter vom Trubel entfernt war es ruhiger und wir konnten den Flair eines indischen Fischerortes genießen.

Felseninsel und Statue Felseninsel und Statue

Den frühen Abend nutzen wir, um am Strand nach Muscheln zu suchen und den Sonnenuntergang zu sehen. Am nächsten Morgen wollten wir uns früh auf den Weg machen, um den Sonnenaufgang zu sehen, jedoch konnten wir im Endeffekt nicht viel sehen, da die Sonne von Wolken verdeckt wurde. Trotzdem war es ein Erlebnis zu sehen, wie viele Menschen sich hier jeden Morgen zum Sonnenaufgang versammeln.

Die kleine Felseninsel, die dem Festland vorgelagert ist, besichtigten wir kurz darauf. Hier hat im Jahr 1893 der indische Philosoph Swami Vivekanandameditiert und die Stelle wird von Scharen von Pilgern besucht. Gleich neben diesem Felsen steht die 40 Meter hohe Statue von Tiruvalluvar, einem bedeutenden tamilischen Schriftsteller, der im ersten Jahrhundert vor Christus lebte.

Abendliche Stimmung direkt am Strand Abendliche Stimmung direkt am Strand

- Varkala -

Spontan machten wir uns am selben Tag noch zur Weiterfahrt nach Thiruvananthapuram, der Hauptstadt von Kerala, auf. Unterwegs trafen wir einen anderen Reisenden, der uns empfahl nach Varkalazu fahren. Wir folgten seinem Rat und nahmen ab Thiruvananthapuramden Zug. Ziemlich fertig kamen wir am Meer an und gönnten uns den Luxus eines sehr sehr schönen Hotels, das von einer netten Französin betrieben wurde.

Der nächste Tag begann sehr langsam, ich saß lange auf dem kleinen Balkon vor unserem Zimmer und genoss es, einfach mal wieder zu lesen und Briefe zu schreiben. Da es Ronja nicht so gut ging, setzte ich das auch noch am restlichen Tag fort. Ein bisschen erkundeten wir dann aber doch den Ort, der extrem touristisch war und an dem man Mühe hatte, überhaupt einen Inder zu sehen. Es erinnerte mich doch sehr an Goa, nur wirkte alles noch westlicher und auf Touristen ausgelegt.

Wir genossen noch ein bisschen die Reisekatalog-Aussicht vom Standrestaurant und machten uns dann auch schon am nächsten Tag wieder auf zu unserem nächsten Ziel:

Chinesische Fischernetzte Chinesische Fischernetzte

- Fort Kochin -

Die alte Stadt Kochin zieht schon seit Jahrhunderten Kaufleute und Forsche aus aller Welt an. Sie hat eine portugiesische, holländische und britische Vergangenheit, was man alles an noch erhaltenen Gebäuden bestaunen kann.

Nach einer tollen Zugfahrt mit wunderschönen Aussichten auf die BackwatersvonKeralakamen wir etwas planlos in Ernakulam, dem modernen Zentrum auf der anderen Seite des natürlichen Hafens von Fort Kochinan. Nach noch einmal einer halben Stunde Busfahrt erreichten wir unser Ziel. Schon auf der Busfahrt fiel uns der andere Baustil der Häuser auf, der eher an Europa denn an Indien erinnerte. Auch der sonst so typische chaotische Verkehr schien sich hier eine Auszeit zu nehmen, die Straßen waren leer wie selten. Dafür sahen wir aber tausende von indischen und ausländischen Touristen, die ebenfalls diese schöne Stadt besichtigen wollten. Dementsprechend schwer fanden wir ein Hotel, schließlich kamen wir aber noch in einem Vierbettzimmer zu zweit unter, wo wir von der netten Familie, die das Guest-House betreibt morgens leckeren Chai serviert bekamen.

Gewürzviertel Gewürzviertel

Bei einer ersten Erkundungstour spazierten wir auf dem Küstenweg entlang, vorbei an den chinesischen Fischernetzen, für die Kochin so bekannt ist. Alles war voller Touristen, die etwas von dem besonderen Flair der Stadt erhaschen wollten.

Abend hatte Ronja wieder Migräne und ich machte mich alleine auf, um mich mit Noemi und Valentina, den beiden anderen Freiwilligen zu treffen, die in meinem Projekt sind. Die zwei waren dem Charme dieser Stadt erlegen und schon seit ein paar Tagen da. Nach einigem Suchen zwischen den Touristenhorden fand ich die zwei dann schließlich doch noch auf einem der chinesischen Fischernetze sitzend. Ich genoss die schöne Atmosphäre an diesem Ort!

Etwas später gingen wir noch im Guest-House der beiden etwas essen. Die nette Besitzerin kochte unglaublich gut, hier kam ich mit Ronja noch ein paar mal hin!

Am nächsten morgen trafen wir uns mit Noemi und Valentina im Café von einem indischen Freund der beiden, das mir total gut gefallen hat, da ich ja sowieso eine totale Café-Liebhaberin bin... Die gemütliche Atmosphäre, die mir sonst öfter auf reisen fehlt, war hier eindeutig vorhanden. Das besondere hier war aber auch noch, dass alle Zutaten in den Getränken und dem Essen aus biologischem Anbau stammten.

Fischernetzte am Hafen Fischernetzte am Hafen

Später schlenderten wir durch die Gassen des alten Gewürz- und Handelsviertels hin zum Dutch Palace, der schon 1555 erbaut wurde. Von außen ist er wenig spektakulär, aber von innen konnte wir die wunderschönen Wandmalereien und geschnitzten Decken bestaunen.

Danach erkundeten wir noch das jüdische Viertel, in dem sich kleine Geschäfte in alten verfallenen Häusern aneinanderreihen. Im ehemaligen Zentrum des Gewürzhandels gibt es heute Antiquitäten und Kleinigkeiten für Touristen zu kaufen. Die Stimmung hier fand ich sehr schön!

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns auch schon wieder von dieser schönen Stadt um unser nächstes Ziel anzusteuern:

Arbeiterinnen in den Teeplantagen Arbeiterinnen in den Teeplantagen

- Munnar -

Mit den Fähre setzten wir nach Ernakulamüber, um von dort aus einen Bus nach Munnarzu erwischen. Wenig später saßen wir in einem klapprigen Bus ohne Fenster (wie die meisten hier in Kerala) und schlängelten uns hinauf nach Munnar. Beim Fahrstil des Busfahrers konnte man des öfteren nur von Glück reden, nicht mit einem anderen Fahrzeug zusammengestoßen zu sein oder den Anhang hinunter gerutscht zu sein.

Nach etwa fünf Stunden Fahrt kamen wir in Munnaran. Vorher hatten wir eine traumhafte Aussichten auf die Western Ghats, so nennt sich das Gebirge, erhaschen könne und in der letzten halben Stunde auch auf die großen Teeplantagen, die sich über die Berge ziehen. Das intensive Grün war unglaublich!

Aussicht von der Top Station Aussicht von der Top Station

Als wir in dem kleinen Städtchen ankamen, bemerkten wir gleich den Temperaturunterschied, da Munnarauf einer Höhe von 1500 Metern liegt. Die Luft war außergewöhnlich frisch und angenehm, nach der eher schwülen Hitze in Kochin. Nach einer kurzen Hotelsuche kamen wir schließlich im Kaippallil Inn unter, einem netten Guest-House etwas weiter den Hang hinauf, dafür aber abgeschirmt vom Markttrubel der Stadt. Benoy, der nette und ziemlich verrückte Manager des Hotels begrüßte uns mit Tee und Keksen, es herrschte eine echt angenehme Atmosphäre.

Am selben Abend machten wir noch eine kurze Entdeckungstour durch die nahen Teefelder. Für den nächsten Morgen hatten wir uns mit zwei anderen Hotelgästen zu einer Tour per Taxi verabredet, die schon früh am Morgen starten sollte.

Im Morgengrauen mussten wir dann feststellen, dass die Kleidung, die wir für unsere Reise eingepackt hatten, hier viel zu kalt war. Zum Glück lieh uns eine unserer Begleiterinnen Socken gegen sie schlimmste Kälte aus. Im Taxi ging es dann raus in die Berge. Das Morgenlicht machte alles noch viel schöner, die Landschaft ist hier einfach atemberaubend schön! Wir fuhren bis zur Top Station, einem der höchsten Punkte um Munnar herum, der schon in Tamil Nadu liegt. Hier hatten wir Gelegenheit für tolle Fotos und um durch die Plantage zu spazieren. Wir stoppten auf der Fahrt noch an mehreren anderen Orten und konnten viel sehen.

Frau beim arbeiten Frau beim arbeiten

Nachdem wir wieder in Munnar angekommen waren, besichtigten wir noch das Teemuseum, in dem die Geschichte der Region und der Tee-Produktionsablauf dargestellt sind. Alle Plantagen um Munnar herum gehören einem Unternehmen, die für ihre Arbeiter ein spezielles Konzept erarbeitet haben: Zusätzlich zu ihrem Lohn bekommen sie ein Haus gestellt, für die Bildung der Kinder wird gesorgt und die Kosten für Gesundheit werden übernommen.

Am Abend dieses Tages kochten wir mit einigen Leuten, die ebenfalls im Hostel schliefen gemeinsam ein Abendessen und erzählten und sangen noch ein wenig. Für den nächsten Tag hatten wir unseren Bus nach Mysore gebucht, den halben Tag vor der Abfahrt nutzten wir noch, um ein bisschen durch das kleine Städtchen zu spazieren.

Gestaltungsprojekt in Chamarajanagar Gestaltungsprojekt in Chamarajanagar

- Chamarajanagar -

Mit dem Bus ging es dann über Nacht nach Mysore, wo wir zwei befreundete Freiwillige in ihrem Projekt besuchen wollten. Die Zwei wohnen nicht direkt in Mysore, ihr kleines Städtchen liegt noch einmal eineinhalb Bus-Stunden entfernt.

Das Projekt ist ein Childrens Home, wo Kinder von etwa drei bis achtzehn Jahren mit unterschiedlichen Schicksalen leben. Das Zimmer der Freiwilligen liegt im Bereich des Boy's Home. Für mich war es unglaublich spannend, mal ein anderes Projekt zu sehen, und zu merken, wie unterschiedlich wir Freiwilligen doch leben und arbeiten. Den Tag über war ich bei den Tätigkeiten von Julia mit dabei, das Projekt hat mir ziemlich gut gefallen!

Farbpulver auf einem Markt in Mysore Farbpulver auf einem Markt in Mysore

Am folgenden Tag bin ich dann mit Julia nach Mysore gefahren, um ein bisschen zu bummeln und die ein oder anderen Dinge zu kaufen. Wir schlenderten ein bisschen durch den tollen Obst und Gemüsemarkt und ich genoss den ganz anderen Charakter Mysores im Gegensatz zu Bangalore. Leider fanden wir keine schönen Stoffe, denn danach hatten wir eigentlich gesucht, aber der Ausflug war trotzdem sehr schön!

Wieder zurück in Julias Projekt bekamen wir noch eine exklusive Kochstunde, bei der wir lernten, wie man Rassam zubereitet, eine traditionelle indische Soße, die man zu Pongal oder Reis essen kann. Dabei lernet ich auch die Betreuer in ihrem Projekt kennen, die doch ziemlich nett sind! Ich beneidete sie doch ein bisschen um die vielen Leute, die hier Englisch sprechen können...

- Rückfahrt ins Projekt -

Am nächsten Morgen, ziemlich früh, da doch einige Stunden Busfahrt vor uns lagen, brach ich mit Ronja auf, Richtung Ramasamudram. Nach etwa 5 Stunden Fahrt hatten wir es schließlich nach Bangalore geschafft, wo wir noch die ein oder anderen Besorgungen erledigten, bevor wir den Vier-Uhr-Bus zurück ins Dorf nahmen.

Obwohl ich das Reisen doch immer sehr genieße, da man so viel von diesem schönen Land sehen kann, freue ich mich doch immer auch ziemlich auf mein kleines Dorf und die tollen Kinder, die mir mittlerweile alle so ans Herz gewachsen sind!

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Do

26

Jan

2012

Neujahr in Ramasamudram

 Nach dieser ersten Reise kehrten wir zu zweit, statt zu viert ins Dorf zurück, da Noemi und Valentina noch länger die Ferien genießen durften. Ich hätte nicht erwartet, dass ich mich so freuen würde, wieder zurück zu sein. Schon auf dem kurzen Weg wurden wir von einigen von unseren Schülern freudig begrüßt.

Am nächsten Tag in der Schule war es dann noch schöner, die vielen kleinen Gesichter wiederzusehen, die mir so ans Herz gewachsen sind, ich bekam das Strahlen nicht mehr aus dem Gesicht!

Auch über die vielen anderen Menschen, mit denen ich im Dorf immer wieder zu tun habe, habe ich mich sehr gefreut! Der Mann im „Keksladen“, der Mann am Obststand, der „Papayaverkäufer“...

Neujahr stand auch schon vor der Tür und wir fragten uns natürlich, wie man hier im Dorf feiert. Usha erzählte uns, dass man an Neujahr neue Klamotten anzieht und mit der Familie zusammen ist. Dementsprechend kamen dann auch Avinash, Balaji und Kiran May mit dem frisch verheirateten Paar, dessen Hochzeit wir beigewohnt hatten vorbei. Eine besondere Feier zur „Stunde null“ sei hier im Dorf aber nicht üblich, wurde uns gesagt. Wir stellten uns also auf einen langweiligen Abend ein, und wirklich sah man um null Uhr nur zwei oder drei Raketen (immerhin!), dann war alles vorbei.

 

Am nächsten Morgen wurde uns schnell klar, dass die Kinder Neujahr schon ein bisschen feiern, und zwar indem sie sich gegenseitig Grußkärtchen schenken auf denen Filmstars zu sehen sind oder kitschige Sprüche. Wir wurden also im laufe der nächsten Tage mit diesen Kärtchen überhäuft, einige waren aber auch noch mit persönlichen Grüßen versehen, über diese habe ich mich besonders gefreut.

 

In den Tagen um Neujahr fanden die Half-Yearly-Examinations statt. Die Kinder mussten Arbeiten in jedem Fach schreiben, für die Sechste Klasse bedeutete das acht Tage Examen (English, Telugu, Hindi, Mathematics, Science, Social, Computer Science und General Knowledge). Wir mussten für alle Klassen die Test-Papers vorbereiten und es wurde immer ein halber Tag vorbereitet und am Nachmittag die Klausur geschrieben.

 

Dann beschloss die Regierung von Andhra Pradesh einfach mal die Ferien um ein paar Tage nach hinten zu verschieben, also hatten wir noch einige Tage länger im Dorf als gedacht, bis wir zu unserer nächsten kleinen Reise aufbrachen.

 

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Do

26

Jan

2012

Auf Reisen - Teil I

Das Mid-Year-Camp endete mit einem gemeinsamen Essen in einem Restaurant in Bangalore. Von dort aus wollte ich mit einigen anderen Freiwilligen in den Urlaub aufbrechen. Wir hatten uns zu einer kleinen Gruppe, bestehend aus Julia, Johannes, Luisa, Ronja und mir zusammengeschlossen und suchten uns spontan als erstes Ziel Tiruvannamalai aus, die Stadt, die am Fuße des Mount Arunachala liegt, den zu Vollmondnächten tausende von Pilgern umkreisen.

Nach einer Nacht in Bangalore machten wir uns morgens auf den Weg zum Majestic, dem zentralen Busbahnhofs der Stadt, um unsere Fahrt zu beginnen. Mit einem „Ordinary-Bus“ ging es dann auch kurz darauf los, wir fuhren über holprige Straßen, durch kleine Dörfer und weite Ebenen. Das ist das tolle am Busfahren im Tageslicht, man kann so viel von diesem Land sehen, nur in dem man aus dem Fenster schaut.

indische Küche indische Küche

- Tiruvannamalai -

Schon auf dem Weg in diese Pilgerstadt fielen uns die vielen in rot gekleidete Leute auf, die in großen Busladungen in Richtung Tiruvannamalai unterwegs waren. Als wir ankamen, war es bereits dunkel, mein erster Eindruck war aber trotzdem schon positiv. Ich kann nicht sagen warum, aber ich hatte gleich ein angenehmes Gefühl. Nachdem wir uns in einem kleinen Hotel ein Zimmer gesucht hatten, machten wir uns auf den Weg zu einer ersten Stadtbesichtigung. Die Straßen waren gesäumt von kleinen Shops und urindischen Restaurants mit der Küche direkt im Eingang. Die Leute schienen an ausländische Gäste gewöhnt zu sein, aber es war trotzdem nicht sonderlich touristisch.

Nachdem wir für für 30 Rupees, also umgerechnet etwa 0,50€ zu Abend gegessen hatten, liefen wir noch etwas weiter und stießen zufällig auf einen kleinen Tempel, der ein bisschen versteckt weiter hinten zwischen größeren Häusern lag. Wir wurden von einem Priester hineingerufen. In dieser kleinen Oase der Stille, zwischen dem ganzen lauten und chaotischen Indien saßen wir einfach für ein paar Minuten mit geschlossenen Augen und genossen die besondere Atmosphäre.

Julia blickt auf Tiruvannamalai Julia blickt auf Tiruvannamalai

Am folgenden Tag wollten wir eigentlich den Berg besteigen, aber letztendlich schafften wir es aber nur auf einen der kleineren, was angesichts der Mittagshitze auch nicht weiter verwunderlich war... Der Ausflug lohnte sich trotzdem, die Aussicht war ziemlich toll!

Später streifte ich noch mit Julia durch die kleinen Schmuck und Kleidungsgeschäfte, wo wir beide noch einige schöne Kleinigkeiten fanden. Später am Abend haben wir noch den großen Arunachaleswar-Tempel besichtigt, der täglich Mengen von Pilgern aus Südindien anzieht. Hier wurde ich aber enttäuscht, die Stimmung war gehetzt und unruhig, die besinnliche Atmosphäre, die ich aus den Tempeln hier in Ramasamudram kenne, war leider nicht vorhanden.

Blick vom Rock Fort Blick vom Rock Fort

- Tiruchirapalli (Trichy) -

Am nächsten Tag ging es dann auch schon weiter zu unserem nächsten Ziel, der Stadt Tiruchirapalli, kurz Trichy. Die zweitgrößte Stadt des Staates Tamil Naduwird vom „Rock Fort“dominiert, das beeindruckend auf einem 83 Meter hohen Felsen in der ansonsten flachen Umgebung liegt. Nach einer längeren Suche fanden wir doch noch ein Zimmer in einer schäbigen Lodge. Die Nacht war weniger schön, aber am nächsten Tag gab es in Trichydoch noch das ein oder andere zu sehen. Wir begannen mit einem Bummel über einen kleinen Basar, der leider weniger zu bieten hatte, als erhofft und erklommen schließlich den „Rock Fort“, dessen Spitze eine kleine Tempelanlage bildet.

Nachdem wir Bekanntschaft mit einem Affen gemacht hatten, der scharf auf unser Obst war und die spektakuläre Aussicht genossen hatten, beschlossen wir, noch den Sri-Ranganathaswamy-Tempel,der etwas weiter außerhalb des Stadtzentrums liegt, zu besuchen. Die Tempelanlage scheint eher eine kleine eigene Stadt zu sein, sie soll eine der größten Indiens sein. Mehrere Mauerringe umschließen das Herz der Anlage, man läuft an Bettlern, Händlern und kleinen Wohnhäusern vorbei, bis man schließlich seine Schuhe angeben muss und barfuß das Innere erkundet. Hier gibt es sogar einen Weg, der durch einen angelegte Garten führt. Das Herz des Tempels ist dann wie bei so vielen Tempeln in Tamil Nadunur für Hindus zugänglich. Trotzdem hat mich diese Anlage sehr beeindruckt, die Atmosphäre war etwas ganz besonderes!

Fischer in Vailankanni Fischer in Vailankanni

- Vailankanni (Velanganni) -

Da wir dieses Weihnachten gerne am Meer verbringen wollten, machten wir uns noch am selben Abend auf nach Vailankanni, einem kleinen Ort am Golf von Bengalen, Ronja fuhr nach Bangalore zurück, um sich mit einer anderen Freiwilligen zu treffen. Wir kamen ziemlich spät am Abend erst am und suchten in der Dunkelheit nach einer geeigneten Unterkunft. Nach langem Verhandeln fanden wir schließlich doch noch etwas. Nachdem ich am folgenden Morgen festgestellt hatte, dass ich ziemlich von den Mücken zerstochen worden war, machte ich mich mit Julia auf zu einer ersten Stadtbesichtigung. Mein erster Eindruck war weniger positiv, das kleine Örtchen war ziemlich überfüllt mit indischen Touristen, die leider ihren Müll an allen erdenklichen Orten hinterließen. Trotzdem entdeckten wir nach dem ersten bummeln doch noch schöne Ecken.

Julia trinkt Chai Julia trinkt Chai

Den Strand genossen wir dann bei einem langen Spaziergang, bei dem wir erfolgreich den Menschenmassen am Hauptbadepunkt entgehen konnten und viele schöne Muscheln fanden. Später hatten wir dann mit Johannes und Luisa noch ein schönes Erlebnis, als wir uns beim Chai trinken einfach zu den Indern mit auf die Straße gesetzt haben.

Im 16. Jahrhundert soll hier ein Schäferjunge die Jungfrau Maria als Our Lady of Good Health erblickt haben, ihr zu Ehren ist eine Basilika errichtet worden, die wir am Nachmittag besichtigten. Von außen ist sie ziemlich beeindruckend, von Innen fand ich sie weniger schön. Das ganze Örtchen hat sich den vielen christlichen Pilgern angepasst, die zahlreich diese Basilika besuchen, dementsprechend gibt es an jedem Stand und in jedem Shop kitschige Heiligenbildchen und Figürchen aller Art zu kaufen.

Weihnachten vor der Basilika Weihnachten vor der Basilika

Später am Nachmittag trafen dann noch Lea, Ina, Sudi und ihr Freund Boris ein, mit denen wir zusammen Weihnachten feiern wollten. Wir zogen noch einmal in ein anderes Hotel um und hatten Glück, ein großes Vierbettzimmer zu finden. Abends aßen wir lecker zu Abend, die Fischliebhaber gönnten sich etwas Frisches. Das Weihnachten war, konnte ich nicht wirklich glauben, die Stimmung war einfach so ungewöhnlich und es war viel zu warm und irgendwie einfach zu indisch. Nachdem wir vor der weißen Basilika noch mit Weihnachtsmannmütze posiert hatten, sogar für ein indisches Fernsehteam, zogen wir uns ins Hotelzimmer zurück und verbrachten einen besinnlichen Weihnachtsabend mit UNO spielen bei Kerzenlicht und Weihnachtsoratorium.

Junge am Strand Junge am Strand

- Tranquebar (Tharangambadi) -

Am Abend des nächsten Tages zogen wir zu viert (Julia, Ina, Lea und ich) weiter. Im Dunkeln kamen wir im kleinen Dorf Tranquebar an, das einst von der dänisch-ostindischen Kompanie als Handelsposten gegründet worden war. Das Dorf war so klein, dass wir erst Sorge hatten, keine Unterkunft zu finden. Also liefen wir ein Stück dem Meer entgegen eine lange Straße entlang. Die Stimmung war ruhig und friedlich. Am Ende der Straße stand ein altes Kolonialhaus, das wunderschön in der Dunkelheit aussah. Da dieses Hotel offensichtlich nicht in unserer Preisklasse lag, fragte wir nach etwas günstigerem und bekamen schließlich Zimmer, die zwar immer noch teuer, aber eben auch ziemlich schön waren! Wir genossen es mal wieder in einem schön eingerichteten Zimmer zu schlafen und machten am nächsten Tag mal wieder einen schönen Strandspaziergang. Am Nachmittag musste ich mich dann leider von den Dreien verabschieden, da ich einen Nachtbus von Trichy nach Bangalore gebucht hatte, den ich ungern verpassen wollte, da ich zwei Tage später wieder im Projekt sein sollte.

- Rückfahrt ins Projekt -

Ich hatte mich vorher an der Rezeption des Hotels erkundigt, wie ich am besten nach Trichy kommen würde und hatte etwa fünf Stunden eingeplant, was eigentlich locker ausreichen sollte. Ein bisschen aufgeregt war ich aber auch, denn es war meine erste richtig lange Fahrt alleine. Leider hatte dann schon der Bus aus Tranquebar fast eine halbe Stunde Verspätung und als ich dann nach einer Dreiviertelstunde in Mayiladuthurai ankam, erfuhr ich, dass ich am falschen Busbahnhof war, um den Bus nach Trichy zu bekommen. Ich muss wohl einen ziemlich hilflosen Eindruck gemacht haben, denn eine Frau nahm mich einfach bei der Hand und zog mich durch das Gedränge der engen Straßen mit sich und führte mich zum anderen Bahnhof.

Dort fand ich heraus, dass der Bus nach Trichy etwa vier Stunden fahren würde, was schon nicht mehr in meinen Zeitplan passte. Ich steig trotzdem ein, Zeitangaben hier in Indien sind doch immer ziemlich wage. Durch Zufall setzte ich mich neben einen netten jungen Mann, der, wie ich nach einiger Zeit herausfand, Sudi, Lea und Ina in Thanjavur kennengelernt hatte. Er hatte zum Glück ein Handy mit Internet dabei und konnte für mich immer wieder nachschauen, wir lange wir noch nach Trichy brauchen würden. Er rief dann sogar bei der Busgesellschaft an, um auf Tamil Bescheid zu geben, dass ich etwa später kommen würde. Im Endeffekt war dann alles doch nicht so schlimm und der Bus hatte sogar Verspätung. Der nette Mann versorgte mich dann sogar noch mit Bananen und Keksen, ich war beeindruckt von der unglaublichen Hilfsbereitschaft der Menschen auf meiner kleinen Reise...

Mit Ronja traf ich mich dann in Bangalore wieder, nachdem wir noch einige Dinge eingekauft hatten, nahmen wir den Bus zurück in unser kleines Dorf, das mittlerweile zu einem zuhause geworden ist.

 

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So

01

Jan

2011

Mid-Year-Camp

Gruppenspiel Gruppenspiel

Mit Valentina, Noemi und Ronja fuhr ich mit dem Bus nach Mysore, wo unsere Camp stattfinden sollte. Wir trafen uns am Busbahnhof mit den anderen Freiwilligen und einigen Leuten vom ICDE, die uns zum Ort des Seminars begleiten sollten. Wir hatten schon von ehemaligen Freiwilligen von diesem besonderen Ort gehört, konnten uns aber unter den Erzählungen nicht wirklich etwas vorstellen. Daher waren wir sehr überrascht, als wir am Gelände von „Infosys“, einem großen indischen Unternehmen ankamen, auf dem die Hochschulabsolventen auf die Firma vorbereitet werden. Das ganze Gelände war extrem abgesichert, wir wurden durch mehrere Schleusen mit Kontrollen wie am Flughafen geschickt, das Gepäck wurde sogar durchleuchtet und wir erhielten einen Pass mit Foto, den wir den ganzen Tag über tragen sollten.

Wir wurden zu unseren Unterkünften gebracht und staunten auf der Fahrt dorthin über die Gestaltung des Geländes, die sich doch sehr von dem unterschied, was wir in den letzten fünf Monaten zu Gesicht bekommen hatten. Die Straßen waren wie geleckt, der Rasen schien mit der Nagelschere geschnitten worden zu sein und einige der Gebäude waren im antiken europäischen Stil erbaut. Wir fühlten uns ein bisschen, als wären wir in eine andere Welt versetzt worden. Das verstärkte sich noch mehr, als wir unsere Zimmer für die nächsten drei Tage sahen, die einen inzwischen ungewohnten Komfort boten, mit Internetanschluss, Fernseher und Badewanne (natürlich mit warmem Wasser, das direkt aus dem Wasserhahn kommt, ohne dass man es vorher mit dem Wasserkocher erwärmen muss...).

Pause Pause

Am nächsten Tag begann dann das Programm, das aber eher nebensächlich war, denn am schönsten war es, von den anderen Freiwilligen, die ich teilweise seit dem Arrival-Camp nicht mehr gesehen hatte, zu erfahren, was in den vergangenen Monaten bei ihnen alles so passiert ist und wie sie sich eingelebt haben. Es war erstaunlich, wie viele unterschiedliche Dinge wir in unseren Projekten erleben, aber die einzelnen Arbeits- und Wohnsituationen unterschieden sich doch stark voneinander. Wir gehören zum Beispiel zu den wenigen, die in einem Dorf untergebracht sind, die anderen sind hauptsächlich in Bangalore und Mysore.

Ich habe es vor allem genossen, mit einigen, die mir besonders lieb geworden sind über Gott und die Welt zu reden und dabei noch einmal neue Sichtweisen auf mein Auslandsjahr zu bekommen.

Zwischen den Einheiten hatten wir immer wieder Zeit, den Campus zu erkunden, der wie eine eigene kleine Welt funktioniert, hier gibt es alles, was man als junger Mensch braucht, Einkaufsmöglichkeiten genauso wie ein breites Freizeitprogramm mit Bowlingbahn, Fitnessstudio, Kino, Cafés und sogar Konzerten! Wir erfuhren, dass etwa 10.000 Studenten hier untergebracht sind, entsprechend groß ist die ganze Anlage auch. Auf dem ganzen Gelände ist ständig Security präsent, die aufpasst, dass sich auch alle angemessen verhalten, dazu zählt zum Beispiel auch, dass man die Straße und den Rasen nicht betreten darf. Wir waren sehr erstaunt, als einigen jungen Inderinnen der Eintritt in eines der Uni-Gebäude verwehrt wurde, weil sie nicht das passende Schuhwerk trugen, denn es gilt ein strenger Dress-Code.

Natürlich war auch das Essen sehr ausführlich und ziemlich gut! Wir fanden zu jeder Mahlzeit ein üppiges Buffet vor, das sowohl indische, als auch europäische Speisen bereithielt. Besonders genoss ich den Obstsalat, der als Nachtisch zu jedem Essen gereicht wurde!

Nach drei Tagen an diesem Ort, an den man sich natürlich sehr schnell gewöhnen konnte, ging es dann zum nächsten Ziel, denn eine Nacht sollten wir noch in einem Dschungel-Resort verbringen. Dieses liegt in einem Nationalpark in der Nähe von Bangalore. Die versprochene „Safari“ viel dann aber doch ziemlich anders aus als ich mir das vorgestellt hatte. Wir fuhren in einem Kleinbus durch einen umzäunten Bereich, in dem uns die Tiere geradezu vor die Kameras getrieben wurden. Mich verstörte das ganze eher, als das es mir Spaß machte.

Am letzten Abend des Camps saßen wir dann bei einem Lagerfeuer alle zusammen und hatten noch einmal Gelegenheit, die letzten Fragen und Probleme mit dem ICDE-Team zu klären. Alles in allem war es ein schönes Camp, auch wenn das Programm dabei doch ziemlich in den Hintergrund geriet.

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So

01

Jan

2011

Dezember Teil I

Valentina, Noemi und ich auf Fahrrädern Valentina, Noemi und ich auf Fahrrädern

Der letzte Monat hielt noch weitere interessante Dinge für uns Freiwillige bereit. In der ersten Woche des Monats beschlossen wir, die Gegend um unser Dorf herum auf Fahrrädern zu erkunden. Dabei kam uns ein Feiertag, von dem mal wieder bis einen Tag vorher keiner wusste, sehr gelegen. Wir liehen uns zwei Fahrräder von den Kindern der sechsten Klasse, die beiden anderen bekamen wir im kleinen „Fahrradverleih“, den es hier im Dorf gibt. Wir brachen am späten Nachmittag auf, und wurden bei unserer Fahrt durchs Dorf neugierig beäugt. Hier ist es eher üblich, dass nur die Jungen und Männer Fahrrad fahren, deshalb waren wir nochmal mehr als sonst eine Attraktion.

Die Landschaft, die wir bis jetzt immer nur auf kurzen Spaziergängen erkundet hatten, konnten wir jetzt viel schneller und vor allem großflächiger durchstreifen. Ich war sehr erstaunt, welche Vielfalt die Gegend bietet, viele kleine Felder, auf denen ganz unterschiedliche Dinge, wie Reis, Erdnüsse, Tomaten und anderes angebaut werden. Es tat sehr gut, sich mal wieder ein bisschen zu bewegen, das kommt hier im Dorf auf Grund der fehlenden Möglichkeiten echt zu kurz. Wir genossen die Fahrt sehr und am Ende waren wir so glücklich, dass wie nun versuchen wollen, uns eigene Fahrräder zu kaufen, damit wir öfter fahren können!

Muslimische Jungs vor unserer Haustür Muslimische Jungs vor unserer Haustür

Das nächste Wochenende wurden von Feierlichkeiten aller Art bestimmt: es begann mit einer Beerdigungsprozession, die direkt an unserem Haus vorbeizog. Vier Männer trugen den Körper der Toten, der über und über mit Blumen bedeckt war, so dass man nur das Gesicht sehen konnte, auf einer Bare auf ihren Schultern. Eine große Anzahl von Menschen lief trauernd dahinter. Der Zug wurde von Musikern begleitet, die der Toten mit Trommeln die letzte Ehre erwiesen. Für mich war es sehr bewegend, einem solchen Ritual beiwohnen zu können.

Am Abend dieses Tages kam es über Indien zu dem seltenen Schauspiel einer totalen Mondfinsternis. Da das Wetter gut war, konnten wir auf dem Dach der Schule alles genau verfolgen, es war unglaublich beeindruckend! Die Bewohner des Dorfes, die ebenfalls auf ihren Dächern standen, waren aber weniger an der Mondfinsternis, als am Festumzug der Muslime interessiert, deren Fest an diesem Wochenende ebenfalls gefeiert wurde.

Bunter Festumzug Bunter Festumzug

Dieses Fest ging dann auch noch am nächsten Tag weiter. Ein großer Festumzug zog an unserem Haus vorbei. Vorneweg natürlich die Jungs, die sich gegenseitig mit dem obligatorischen Farbpulver bewarfen. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung, die muslimischen Frauen hatten ihre besten Sarees angezogen und beobachteten das Geschehen, an dem aber nur die Männer teilnehmen durften. Am Nachmittag vereinigten sich dann die Festumzüge von zwei weiteren Dörfern mit dem aus Ramasamudram und es gab noch einmal eine große Parade in der Hauptstraße des Dorfes.

Nach unserer Weihnachtsfeier in der Schule mussten wir auch schon unsere Sachen zusammenpacken, denn am nächsten Tag wollten wir nach Bangalore fahren, um uns von dort aus auf den Weg zu unserem Mid-Year-Camp vom ICDE in Mysore zu machen.

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Fr

30

Dez

2011

Weihnachtsvorbereitungen

Bhaskar mit Weihnachtsbild Bhaskar mit Weihnachtsbild

Tja, Adventszeit in Indien zu erleben, das ist schon komisch, denn hier in meinem kleinen Dorf war davon einfach gar nichts zu spüren. Das lag natürlich daran, dass es einfach viel zu warm und sonnig war, und daran, dass in meinem Umfeld niemand in den üblichen Weihnachtsstress geriet. Alles ging seinen gewohnten Gang, wie immer!

Aber halt, etwas war doch anders, denn wie in jedem Jahr sollte es an unserer kleinen Schule eine hauseigene Weihnachtsfeier geben, die von den Freiwilligen organisiert werden sollte. Dafür begannen wir ab Anfang Dezember mit allen Klassen fleißig zu basteln, zu malen und sogar auch zu singen, was vielen Kindern besonderen Spaß bereitete. Ich glaube, so viel habe ich vor Weihnachten noch nicht gebastelt wie hier! Ein Projekt war, mit allen Kindern kleine Boxen aus Papier zu falten, die sie dann am Tag der Celebration mit Süßigkeiten gefüllt zurückbekommen sollten. Dafür bemalte jedes der Kinder ein Blatt Papier mit weihnachtlichen Motiven, die wir vorher an die Tafel gemalt und erklärt hatten, da natürlich niemand diese Dinge aus dem Alltag kannte. Einige Ergebnisse konnten sich wirklich sehen lassen und die Kinder hatten großen Spaß dabei.

Gowthami beim Kartoffelstempeln Gowthami beim Kartoffelstempeln

Außerdem malten die Kinder Weihnachtsdekoration auf Papier, die dann pünktlich zur Feier aufgehängt werden sollte. Mit den Kindern der vierten Klasse übten wir die Weihnachtslieder „We wish you...“ und „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ ein, einige Kinder aus der fünften Klasse lernten „Rudolph, the red-nosed reindeer“. Wir waren sehr beeindruckt von der guten deutschen Aussprache (fast besser als die englische....)!

Zusätzlich zu den Weihnachtsbasteleien in der Schule hatte ich aber auch meinem Zimmer einen Weihnachts-Touch gegeben, aus der Heimat war zu Beginn der Adventszeit ein Paket gekommen, in dem sich ein Adventskalender befand, der ab dem 1. Dezember meine Wand schmückte. Jeden Morgen kehrte so beim öffnen eines der kleinen Päckchen ein bisschen Adventsstimmung in mein Zimmer.

Am 13. Dezember war es dann so weit, die Weihnachtsfeier sollte stattfinden. Etwas verfrüht, da wir Freiwillige ab dem 15. Dezember auf dem Mid-Year-Camp des ICDE in Mysore sein würden. Am Wochenende davor hatten wir uns, vor allem aber Valentina und Noemi, noch einmal mächtig ins Zeug gelegt, denn wir wollten ein kleines Handpuppentheater aufführen. Dafür musste noch einiges gebastelt werden. Wir malten, klebten und bastelten fleißig, so dass es letztendlich doch noch klappte.

Das Programm der Celebration wurde durch einige Punkte ergänzt, die die anderen Lehrer und Usha beisteuerten. Einige der Kleinsten sagten ein paar Reime auf, ein Mädchen aus der vierten Klasse sang ein wunderschönes Lied und ein paar der Jungs tanzten auf ein beliebtes Telugu-Lied. Dazwischen kamen immer wieder die Programmpunkte, die wir vorbereitet hatten. Das Handpuppentheater bildete dabei den krönenden Abschluss, abgesehen vom austeilen der Geschenke, auf das sich vor allem die Kleinsten am meisten freuten!

Usha hatte zur Weihnachtsfeier auch einen Reporter von einer der lokalen Zeitungen eingeladen, der über die besondere Veranstaltung berichten sollte. Zwei Tage später erschien dann auch ein kurzer Artikel mit Bild, wir fühlten und geehrt!

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Mi

30

Nov

2011

Neues aus Ramasamudram :)

…Und die Zeit vergeht immer schneller! Die ersten drei Monate sind schon fast um, das wurde mir erst so richtig bewusst, als vom ICJA die Aufforderung kam, den Dreimonatsbericht zu verfassen.

 

Seit meinen ersten Reiseerlebnissen in Hampi und Goa sind jetzt auch schon wieder einige Wochen ins Land gezogen und es ist mal wieder Zeit, hier von meinen Erlebnissen in Ramasamudram zu berichten.

 

Am selben Wochenende, an dem Ronja und ich von unserer Reise zurück gekommen sind, sind auch zwei weitere Freiwillige in unserem Projekt eingetroffen. Valentina aus Italien und Noemi aus Spanien. Die beiden werden in den nächsten sechs Monaten hier unsere „Mitfreiwilligen“ sein. Mit der Ankunft der beiden hat sich dann einiges in meinem Projekt verändert. Eigentlich ist gar nicht genug Arbeit für alle vier Freiwilligen da, also hatte Usha erst mal Probleme, einen neuen Stundenplan für uns zu erstellen. Ronja und ich hatten ja vorher immer jeden Tag sechs verschiedene Klassen zu unterrichten, das ist jetzt nicht mehr so. Immer zwei von uns unterrichten eine Klasse, die anderen beiden assistieren in der Zeit dann den anderen Lehrern beim Unterricht oder übernehmen Büroaufgaben wie Noten in Zeugnisse eintragen oder Ähnliches. Ich hatte erst die Befürchtung, dass es mir zu wenig Arbeit mit den Kindern wird, aber im Endeffekt gefällt es mir so besser, weil man sich nicht mehr jeden Tag für sechs verschiedene Klassen etwas einfallen lassen muss, sondern nur noch für drei. Der zu Beginn ausgearbeitete Stundenplan hat sich aber mittlerweile auch schon wieder geändert, ich hatte am Anfang eine Stunde, nämlich die, in der ich dem Mathelehrer dabei helfen sollte, den ganz Kleinen (drei und vier Jahre alt) die Zahlen beizubringen. Das funktioniert in seinem Unterricht so, dass die Kinder auf dem Boden sitzen, und auf ihre kleinen Tafeln die von ihm vorgeschriebenen Nummern nachfahren sollen. Meine Aufgabe bei der ganzen Sache war es, die Kinder dazu zu bringen, genau das zu tun. Jetzt kann man sich natürlich denken, dass Kinder in dem Alter eine ganze Menge Dinge für sehr viel spannender halten, als eine Dreiviertelstunde lange auf eine Tafel zu schreiben (ich übrigens auch) und dementsprechend funktioniert dann diese Lehrmethode auch. Die Kinder fangen an die Wand mit Kreide zu bemalen oder die Kreide gleich aufzuessen. Regelmäßig kommt es zu Tränen, weil der ein oder andere aus Langeweile den Nachbarn geschlagen hat. Ich bin also die ganze Zeit damit beschäftigt gewesen, von einem zum nächsten Kind zu gehen und es zum schreiben zu motivieren, eine ziemlich nervenaufreibende Sache… Usha hat aber zum Glück eingesehen, dass ich mich dafür nicht wirklich eigne und hat stattdessen zwei neue Lehrerinnen eingestellt, die sich jetzt um die ganz Kleinen kümmern.

 

Dafür läuft das sonstige Unterrichten immer besser, so langsam kann ich mir alle Namen behalten und ich merke, dass ich die Kinder jetzt auch viel besser einschätzen kann, was ich zu Beginn niemals gedacht hätte. Die Kinder freuen sich immer auf uns, das ist schön zu sehen! Das Problem mit dem fehlenden Englisch der Kinder besteht immer noch, aber ich kann langsam besser damit umgehen und passe mich sprachlich an. Seit zwei Wochen bekommen wir auch drei mal in der Woche Telugu-Unterricht. Usha bringt uns viele Wörter bei, die wir im Umgang mit den Kindern verwenden können. Leider möchte die uns keine Grammatik beibringen, da diese für uns wahrscheinlich zu schwer wäre. Aber mit den Wörtern, die wir mittlerweile können, kommen wir schon ein bisschen weiter, die Kinder freuen sich ziemlich, wenn wir uns im sprechen üben und unsere (wahrscheinlich) merkwürdige Aussprache führt immer wieder zu Erheiterung.

Seit den letzten Wochen gebe ich jetzt auch „Practical Computer Classes“ für die vierte, fünfte und sechste Klasse. Die Kinder hatten vorher schon theoretischen Unterricht, aber die meisten von ihnen haben noch nie in ihrem Leben einen Computer bedient. Somit waren die ersten Stunden für sie äußerst spannend, ich habe sie erst mal austesten lassen, wie das denn so mit der Maus funktioniert und sie durften versuchen in Paint ihren Namen zu schreiben. Leider ist die Zeit immer nur sehr kurz, und auf den einen Computer kommen einfach zu viele Kinder. Um ein Kind, das ausprobiert stehen noch mindestens drei weitere drum herum. Wie ich diese Stunden jetzt in der nächsten Zeit gestalte, muss ich mir noch überlegen…

 

Für mich hat es sich auch als Herausforderung dargestellt, sich jeden Tag etwas für die Stunden zu überlegen. Es ist echt nicht so einfach, auch etwas zu finden, mit dem man am Ende des Tages auch selber zufrieden sein kann. Wenn jemand noch Tipps für mich hat, ich nehme gerne noch welche Eigentlich alle Kinder lieben es zu malen und vor allem auszumalen, ich habe also einen ziemlichen Verschleiß an Buntstiften.

 

Wir haben angefangen, auch samstags zwei Stunden zu unterrichten. In diesen Stunden dürfen wir machen, was wir wollen. Dazu zählt zum Beispiel Volleyball unterrichten (also eher Ronja...) oder Mandalas gestalten. Diese Samstage sind immer schön, da man sich länger mit einer Klasse beschäftigen kann und auch mal Dinge umsetzen kann, die einfach ein bisschen mehr Zeit in Anspruch nehmen. Da jetzt die Vorbereitungen für die Weihnachtsfeier, die wir mit den Kindern machen sollen, anstehen, nutzen wir die Samstage, um für das Programm zu üben. Aber dazu ein andermal mehr!

 

Da wir jetzt zwei Freiwillige mehr sind, ist es natürlich auch für unsere Projektleiterin Usha anstrengender geworden, uns dreimal am Tag mit einer Mahlzeit zu kochen. Also hat sie eine andere Lösung gefunden und eine Frau eingestellt, die ihr im Haushalt und eben auch beim kochen zur Hand geht.

 

Der Oktober endete mit dem hinduistischen Diwali-Fest, das auch Lichterfest genannt wird. Das Fest selbst und der Monat danach erinnern entfernt an die Adventszeit, da viele kleine Öl-Lämpchen entzündet werden. Die meisten hinduistischen Haushalte haben jeweils ein kleines Öllämpchen links und rechts auf der Türschwelle stehen, die dem Straßenbild eine andere Stimmung geben. Mit diesen vielen Lichtern, so erzählte es uns Usha, soll die Dunkelheit und das Böse in der Welt vertrieben werden. Seit Diwali gehen wir auch regelmäßig mit in den Tempel, Montags in den Shiva-Tempel, der schon mehrere Jahrhunderte alt sein soll, und Donnerstag in den Saibaba-Tempel, der erst in diesem Jahr erbaut wurde. Dort nehmen wir mit an den Zeremonien teil. Im Monat nach Diwali sah der Tempel immer besonders schön und stimmungsvoll aus, da auch hier kleine Öllämpchen erleuchtet wurden. Ein besonderer Docht war aus genau 365 Fäden geknüpft, dies soll an jedem Tag des Jahres das Böse vertreiben.


Am ersten Wochenende im November machte ich mich mit Ronja mal wieder auf den Weg nach Bangalore, um den Geburtstag von Max, einem der deutschen Freiwilligen, nachzufeiern. Wir sahen an diesem Wochenende eine Menge Leute wieder, die ich schon seit unserem Ausflug nach Mysore oder sogar seit dem Arrival-Camp nicht mehr gesehen hatte. Alles in allem war es ein sehr schöner Ausflug!


Der nächste große Eckpunkt im Schulalltag war der anstehende „Children's Day“, der hier am 14. November gefeiert wird. Traditionell treten die Kinder hier an der Schule in verschiedenen Spielen und Sportarten gegeneinander in kleinen Wettbewerben an. Dabei gibt es für jede Altersstufe etwas Passendes: die Kleinsten traten im Wettlauf gegeneinander an, die Größeren in Cricket oder anderen Spielen. Außerdem gab es einen Gesangswettbewerb, bei dem die talentiertesten Kinder gegeneinander antraten. Die Kinder, aber auch wir Freiwillige hatten viel Spaß, diese Wettkämpfe zu verfolgen und auch selber neue Spiele beizutragen. „Der Fuchs geht um“ wurde beispielsweise begeistert aufgenommen. Diese Spiele zogen sich verteilt über mehrere Tage hin, so dass der Unterricht in dieser Zeit zur Nebensache wurde.


Am Wochenende vor dem Kindertag, also dem 12./13. waren wir zu einer Hochzeit eingeladen worden, bereits meiner zweiten hier in Indien. Der Cousin von Avinash, dem Sohn unserer Projektleiterin, sollte an diesem Wochenende heiraten. Innerhalb dieser Familie ist es üblich, dass der zukünftige Ehemann die Einladungen zur Hochzeit persönlich überbringt, also bekamen wir auch Besuch von ihm und eine Einladungskarte. Am frühen Samstagmorgen brachen wir in Richtung K.R.-Puram auf, einem Vorort von Bangalore, in dem sowohl Avinashs Cousin mit seiner Familie, als auch sein älterer Bruder mit seiner neuen Frau, deren Hochzeit wir zu Beginn unseres Jahres besucht hatten, wohnen. An der Bushaltestelle wurden wir von Avinash und seinem jüngeren Cousin abgeholt und zum Haus der Familie gefahren, in dem wir zuerst einmal frühstücken konnten. Hier begannen dann auch die ersten Rituale, zum Beispiel die Fußwaschung aller Frauen der Familie. Danach bekamen alle Frauen einen Korb mit einer Kokosnuss, einigen selbstgemachten Süßigkeiten und anderen Dingen geschenkt. K.R.-Puram ist ein eher familiärer Vorort, ich fand es erstaunlich ruhig und die kleine Wohnung von Avinashs Bruder hat mir auch sehr gut gefallen. Nachdem wir dort einige Stunden verbracht hatten, sind wir mit einem Kleinbus zum eigentlichen Ort der Hochzeit gefahren, der etwa eine Stunde entfernt von K.R.-Puram liegt.


In der „Festhalle“ angekommen gab es natürlich zuerst einmal etwas zu essen. Wie schon bei der letzten Hochzeit waren im Erdgeschoss des Gebäudes lange, Tapeziertischen ähnelnde Tische aus Metall aufgestellt, an denen man auf Bananenstaudenblättern das Essen von oberkörperfreien Männern das Essen serviert bekam. Wie erwartet war es wieder ausgezeichnet! Am Abend vor der eigentlichen Hochzeits-Zeremonie findet hier immer die „Reception“ statt, zu der eine ganze Menge Leute kommen, die dem Brautpaar Glückwünsche und Geschenke überbringen. Das Pärchen steht den ganzen Abend für Fotos und Filmaufnahmen bereit und bekommt, wie auch der Rest der Familie, in der Nacht kaum Schlaf ab. Wir passten uns in dieser Nacht auch ganz den Gegebenheiten dieser Hochzeit an und schliefen in einem Raum ohne jegliche Einrichtung auf einem dünnen Laken direkt auf dem Boden.


Am nächsten Morgen fand dann die eigentliche Zeremonie statt, natürlich nach einem üppigen Frühstück. Viele verschiedene Rituale wurden vollzogen, für mich eine sehr spannende Angelegenheit! Diese Rituale dauerten dann auch bis zum frühen Nachmittag. Mit einer weiteren kleinen Geschenktüte wurden wir dann verabschiedet und fuhren mit Ushas Mann zurück nach Ramasamudram.

Der eigentliche Children's Day fand dann am nächsten Tag statt. Es gab eine kleine Zeremonie, danach wurden die Kinder geehrt, die bei den Wettbewerben gewonnen hatten oder Zweiter geworden waren. Als Preise gab es Stifte oder andere nützliche Dinge, die die Kinder im Schulalltag verwenden können. Vorher hielten alle Lehrer eine kurze Rede. Mit einem Bonbon für jedes Kind ging dann der Tag auch schon verfrüht zu Ende.


Seit zwei Wochen gibt Ronja morgens, bevor die Schule mit dem Prayer beginnt zwanzig Minuten Joga-Unterricht. Dafür sind eigentlich nur die Klassen vier bis sechs vorgesehen, aber auch die Kleineren versuchen immer öfter, an den Übungen teilzunehmen.

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2011

Reisen :)

Bangalore, 25. September 2011


Jetzt ist es endlich soweit: wir sind auf dem Weg um weitere Teile dieses verrückten Landes zu erkunden. Unsere erste Station auf unserer Reise war (wie immer) Bangalore. Unsere Projektleiterin verabschiedete uns am Bus und ab ging die Fahrt. Sofort bereuten wir es, nicht an Oropax gedacht zu haben, denn es liefen mal wieder indische Filme in voller Lautstärke. Wie auch bei unserer letzten Fahrt waren die Schaffner im Bus sehr nett und besorgten uns zwei Plätze nebeneinander.

In Bangalore angekommen bezogen wir (auch wie immer) unser Zimmer im Hotel Ajantha, das sehr zentral in unmittelbarer Nähe der „MG Road“ liegt. Leider hat die zentrale Lage auch ihren Preis… Nach einigen lange ersehnten Einkäufen im Supermarkt trafen wir uns dann mit Till und Martin, zwei
Freiwilligen vom ICDE, die mit uns nach Indien gekommen sind. Martin war zufällig zu Besuch, sein Projekt liegt etwa sechs Stunden von Bangalore entfernt. Wir hatten uns im „Lalbagh“, dem botanischen Garten von Bangalore verabredet. Für uns Dorfkinder ist es immer schwierig, sich in Bangalore zurechtzufinden, da die Busse auch keine englischen Schilder haben, sondern nur die Nummer und das Ziel auf Kannada angeschlagen sind. Da man leider auch nicht sicher sein kann, dass wenn man jemanden fragt, dass dann auch die richtige Antwort gegeben wird, muss man eigentlich immer mindestens zwei oder drei Leute fragen. An den zentralen Busbahnhöfen ist es natürlich etwas leichter, aber an den normalen Straßen ist meist noch nicht einmal zu sehen, wo sich jetzt die Bushaltestelle befindet. Ein sicheres Anzeichen ist meist eine Horde herumstehender Inder. Da man als „Weiße“ natürlich immer Aufsehen erregt, vergessen die Schaffner im Bus aber zum Glück auch nie, uns die richtige Haltestelle zum Aussteigen zu zeigen. Da uns nach langem herumfragen aber immer noch niemand den Weg oder den richtigen Bus zum botanischen Garten nennen konnte, mussten wir dann letztendlich eine Rikscha nehmen, was immer die teurere Alternative ist.

Am botanischen Garten waren wir erst einmal froh, mal wieder bekannte Gesichter zu sehen. Wir hatten uns natürlich eine Menge zu erzählen, das taten wir dann auch gemütlich auf einer Wiese im botanischen Garten sitzend. So vergingen die Stunden dann doch schnell, und weil es hier ja immer so schnell dunkel wird, und man sich als junge Frau ja nicht so spät mehr auf den Straßen aufhalten soll (ein Beispiel folgt sogleich), machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Hotel.

Für den nächsten Tag hatten wir uns wieder mit Martin und Till verabredet. Wir wollten mit ihnen eigentlich in das Goethe-Institut, das in Bangalore eine Zweigstelle hat fahren, um mal wieder eine deutsche Zeitung zu lesen und guten heimischen Kaffee zu genießen, daraus wurde dann aber nichts, wie wir vor Ort erfuhren, da das Institut auf Grund einer Veranstaltung leider geschlossen hatte. Also gingen wir stattdessen in ein nahes Café und saßen dort ein wenig gemütlich beieinander.

Till musste dann wieder zurück zu seiner Arbeit und Ronja und ich machten uns auf den Weg zur SP Road, nähe City Market. Hier hoffte ich Ersatz für mein im Dorf kaputt gegangenes Netzteil von meinem Netbook zu finden. Die besagte Straße hatte ein ganz besonderes Flair und man hatte gleich das Gefühl, dass hier das Klischee, dass Frauen nichts von Technik verstehen, mehr als bestätigt wird. Nirgendwo war auch nur eine einzige weibliche Person zu entdecken, die Computer und Elektroniklädchen reihten sich zu hunderten aneinander. Nachdem wir in gefühlt hundert verschiedenen Shops nach dem Netzteil gefragt hatten, und immer ein „No“ als Antwort bekamen, gaben wir schließlich enttäuscht auf. Zum Glück hat mein Papa Kollegen in Bangalore, und einer ist jetzt so nett, mir das Ersatzteil zu besorgen… Hoffentlich habe ich dann bald mein Netbook wieder!

Abends trafen wir uns dann mit Till und Martin in einer Shisha-Bar in einem der schickeren Viertel von Bangalore, wo es sogar einen „Biere-Club“ mit blau-weißen Rautenmuster und Oktoberfest-Banner gibt. Wir genossen die entspannte Atmosphäre und später kamen dann noch Lea und Sudi, die auch beide in Bangalore arbeiten dazu. Der Abend wurde spät (für indische Verhältnisse), wir machten uns so gegen halb elf los und versuchten noch einen Bus zurück ins Hotel zu erwischen. Doch selbst den erfahrenen Bus-Fahrerinnen Lea und Sudi gelang es nicht, einen ausfindig zu machen, uns so teilten wir uns schließlich zu viert eine Rikscha zur MG Road. Dort stellten wir fest, dass man selbst auf einer der größten Straßen von Bangalore nicht sicher sein kann und wurde von einem Mann belästigt, den wir zum Glück nach einiger Zeit abhängen konnten.

Der nächste Tag begann wenig spannend, wir versuchten unsere weitere Reise zu planen, die nach Hampi gehen sollte. Also fuhren wir zum Majestic, das ist der zentrale Busbahnhof, und buchten ein Ticket für denselben Tag um elf Uhr Abends. Da wir noch sehr viel Zeit hatten bis dahin, versuchten wir irgendwie die Zeit tot zu schlagen, ohne dabei viel Geld auszugeben, was in der Gegend um die MG Road recht schwierig ist. Wir fanden aber schließlich einen tollen Buchladen, der für mich der bisher schönste Ort in Bangalore ist. Hier geht jedem, der gerne liest das Herz auf! Regale, die bis zur Decke gehen, und in denen die Bücher nach einem System sortiert sind, was nur den Verkäuferinnen bekannt zu sein scheint. Neben unzähligen Sprachführern und Reiseführern zu Deutschland gibt es natürlich jede Menge englische Bücher, die nur darauf warten entdeckt zu werden. So hatte ich denn auch einige Mühe, die Bücher zu finden, die mein Papa mir empfohlen hatte. Ich denke aber, ich werde in diesen Laden noch öfter kommen, um unsere kleine Hausbibliothek in Ramasamudram weiter zu füllen.

 

Hampi, 28. September 2011


Nach sehr langem warten, unter anderem auch noch mehrere Stunden am Majestic, fuhr dann schließlich unser Bus in Richtung Hampi doch noch ab. Mit dem Schlafen ging es dann auch besser, als ich gedacht hatte, und wir kamen morgens so gegen sieben Uhr an. Von einem der vielen sogenannten „Schlepper“ wurden wir in das nächste Guesthouse geleitet, das mit kleinen, aber süßen Zimmern recht ordentlich ist. Nach kurzem Ausruhen und einem Papaya-Frühstück im Dachrestaurant unseres Guesthouses brachen wir dann zu unserer ersten Sightseeing-Tour auf. Wir kamen glücklicherweise um die 250 Rs herum, die normalerweise von Touristen genommen werden, um die Elefantenställe und die umliegenden Ruinen zu besichtigen, da wir eine „Resident Permit“ haben und somit nur den „Inder-Preis“ von 10 Rs zahlen mussten. Die Ruinen und die Landschaft darum herum sind überwältigend, es ist echt super schön an diesem Ort, es hat beinahe etwas verwunschenes, wie die alten Paläste, oder vielmehr das, was von ihnen noch übrig ist, in der Landschaft verstreut sind. Wir ließen uns Zeit, um alles auf uns wirken zu lassen und machten viele Erinnerungsfotos. Da im Moment keine Saison ist, sind auch zum Glück nicht viele Touristen da gewesen, so dass alles noch mal friedlicher wirkt. Nach dem ersten Ausflug erholten wir uns in unserem kleinen Guesthouse von der nächtlichen Busfahrt.

Abends machten wir uns dann auf den Weg zum Restaurant „Mango Tree“, das etwas außerhalb vom kleinen Ort Hampi liegt, man muss ein Stück am Fluss entlang laufen und dann ein kurzes Stück durch eine Bananenplantage gehen, schon der Weg alleine lohnt sich! Das Restaurant selber ist einfach toll, man sitzt mit Blick auf die Flussebene unter dem riesigen Mangobaum, der dem Restaurant seinen Namen gibt. Hier genossen wir die Abenddämmerung und leckeren Gemüse-Reis. Bei stimmungsvollem Laternenlicht und ersten blinkenden Glühwürmchen kam idyllische Urlaubsstimmung auf! Der Weg zurück wurde uns mit Taschenlampe geleitet.

Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem Papaya-Frühstück auf zu unserer nächsten Entdeckungstour. Nach dem kurzen Weg durchs Dorf ging es direkt auf weitere verfallene Tempel zu, die mitten in dieser unglaublichen hügeligen Landschaft stehen. Der Weg dorthin wird rechts und links von langgezogenen Tempeln gesäumt, in denen die Leute teilweise auch zu wohnen scheinen. Die Häuser sind halb hinein gebaut. Die nicht sehr hohen Berge sind mit großen Steinbrocken bedeckt, auf denen man wunderbar herum klettern kann. Das probierten wir dann auch gleich aus und eine atemberaubende Sicht auf die gesamte Ebene war der Lohn! Hier verweilten wir noch ein bisschen und genossen die Ruhe und die Stimmung, die doch besonders ist an diesem Ort. Den restlichen Tag nutzten wir, um am Fluss entlang noch weitere Stellen der Umgebung zu erkunden. Man kann hier wunderbar abschalten und die Ruhe und die schöne Landschaft genießen… Abends führte unser Weg wieder ins „Mango Tree“ zu einem weiteren leckeren Abendessen. Am letzten Tag erkundeten wir noch ein bisschen die Gegend, die hinter dem schönen Restaurant liegt. Wir liefen idyllisch zwischen den Bananenplantagen herum, bis zum Fluss, über den man an dieser Stell ganz einfach über die Steine klettern kann.

 

Goa, 2. Oktober 2011


Am Samstagnachmittag sind wir dann zu unserem nächsten Ziel aufgebrochen: Goa. Mit einem Pärchen aus Spanien haben wir uns eine Rikscha nach Hospet geteilt, dem Ort, an dem der Bus nach Goa abfahren sollte. Leider hatten wir keine Betten im Bus, sondern nur Sitzplätze, da uns der Mann im Reisebüro nicht richtig aufgeklärt hatte, Grrr! Die Gemütlichkeit der Sitze ließ dann dementsprechend auch zu wünschen übrig und es wurde eine lange und unbequeme Nacht. Etwas übernächtigt und ziemlich früh kamen wir dann in Panaji an, der Hauptstadt Goas. Von dort nahmen wir mit dem spanischen Pärchen zwei weitere Busse, bis wir dann schließlich in Anjuna ankamen. Da die Saison noch nicht begonnen hat, ist hier noch nicht so wirklich viel los, und wir hatten erstmal Mühe, ein einigermaßen schönes Guesthouse zu finden. Nach längerem Suchen, und kurzer Wartezeit, da die Kinder der Familie die Zimmer auf Grund des Gottesdienstbesuches noch nicht putzen konnten (Ja, hier in Goa gibt es nämlich viele Christen), bezogen wir dann unsere Zimmer und ruhten uns von der Busfahrt aus. In Zeit, in der wir auf die Zimmer warteten, waren wir schon ohne das Gepäck losgezogen, um die nähere Umgebung und den Strand zu erkunden. Die Atmosphäre ist eine ganz andere, als ich sie bisher hier in Indien erlebt habe. Es ist recht ruhig und sauber, eine erholsame Abwechslung! Das Meer ist natürlich auch nochmal ein Punkt, der es idyllisch hier macht! Dadurch, dass noch keine Saison ist, oder gerade anfängt, ist hier noch alles recht verschlafen, noch wenige Touristen und es haben noch viele der Geschäfte und Guest-Häuser geschlossen. Viele arbeiten noch an ihren Häusern, man sieht viele Baustellen. Die Straßenhändler sind aber schon voll dabei und versuchen einem bei jedem Gang zum Strand ihre Ware anzudrehen, auch auf dem Strand selber wird man noch angesprochen. 

Der negative Punkt bei der Sache ist aber leider, dass es ziemlich warm ist, und man schon bei dem kleinsten Ausflug ziemlich schwitzt! Ich bereute es sofort, nicht ein bisschen von meiner europäischen Kleidung mitgenommen zu haben, denn hier laufen alle eher „westlich“ rum und wir fallen mit unseren „angepassten“ Klamotten eher auf. Tagsüber kann man sich also kaum bewegen, und wenn es kühler wird ist es dann auch schon dunkel und es werden einem von allen Seiten Drogen angeboten. Ich genieße also ein bisschen die Ruhe, lese viel und höre Hörbücher!

Am Dienstagmorgen trafen wir uns dann mit Luisa, Ina, Malte und Julia, vier Mitfreiwilligen vom ICDE, die ebenfalls Ferien hatten und für eine Nacht in Anjuna waren. Wir genossen einen Strandspaziergang, bei dem sich alle Sonnenbrand holten und suchten nach Muscheln und Schnecken, von denen sich hier echt schöne finden lassen. Nachmittags liefen wir eigentlich auf der Suche nach der „German Bakery“, die im Lonely Planet erwähnt war, durch das kleine Städtchen, doch diese war dann leider geschlossen. Dafür genossen wir einen zur Abwechslung mal echt guten Kaffee und Shakes in einem französischen Café mit total schöner Atmosphäre. Ina fand heraus, dass die Betreiberin zu den Hippie-Zeiten hier in Goa gewesen war und sich in diesen Ort verliebt hat. Nun ist die zurückgekehrt um ein kleines französisches Café zu eröffnen. Es war schön, mal wieder eine gemütliche Café-Atmosphäre genießen zu können, die fast ein bisschen an zu hause erinnert. Nachdem wir uns noch ein bisschen im Handeln geübt und schöne Hosen gekauft hatten, sahen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang über dem Arabischen Meer an. Der Abend klang dann bei sehr, sehr leckerem indischem Essen aus.

Am nächsten Tag sollte der berühmte Flohmarkt von Anjuna stattfinden. Wir machten uns also auf zum Gelände, das malerisch direkt unter Palmen am Strand gelegen ist und schlenderten zwischen den Ständen herum. Von allen Seiten wird man hier dazu gedrängt, sich die Auslagen anzuschauen und möglichst viel Geld auszugeben. Leider gab es nicht viel anderes, als wir schon an den Ständen im Dorf gesehen hatten. Außerdem war der Flohmarkt für die Verhältnisse hier noch recht klein, da keine Saison ist. Ich denke auch nicht, dass man wirklich von einem Flohmarkt sprechen kann, es war doch eher ein Markt mit professionellen Händlern und keine Second-Hand Ware. Trotzdem war es ein Erlebnis. Am Nachmittag sind die vier dann auch schon wieder weiter gefahren und Ronja und ich genießen jetzt noch unsere letzten Ferientage und machen uns am Freitag Nachmittag mit dem Sleeper-Bus wieder auf den Rückweg nach Bangalore, um dort ein paar Besorgungen zu machen und  dann hoffentlich am Samstagmittag den Bus in Richtung Ramasamudram zu erwischen. Mal sehen, ob es diesmal einfacher werden wird, die Haltestelle und den richtigen Bus zu erwischen. Dort kommen dann am Sonntag auch schon die zwei neuen Freiwilligen in unser Projekt, das wird auch nochmal spannend, ein neuer Abschnitt.

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Sa

10

Sep

2011

Schulalltag

Der erste Monat ist jetzt schon vorbei, es kommt mir aber schon viel länger vor. Das liegt bestimmt daran, dass seit meiner Abreise schon so viel passiert ist!

Langsam beginne ich mich an das Leben in Ramasamudram zu gewöhnen, der Tagesablauf pendelt sich ein und unter der Woche haben wir immer viel zu tun. Zum Frühstücken gehen wir immer zu unserer Projektleiterin, da es mit einer Köchin bis jetzt noch nicht geklappt hat, zumal wir in unserem Haus auch gar keine Kücheneinrichtung haben. Dort haben wir dann unseren ersten Kampf zu kämpfen, da Ronja immer nichts zum Frühstück ist und das für Mrs. Usha total unverständlich ist. Die Schule beginnt immer um 9:20 mit dem Morgengebet, dann geht es um halb zehn mit dem Unterricht los. Wir haben dann zuerst die UKG/erste Klasse, also die sehr jungen. Hier ist es immer schwierig, sie die volle Dreiviertelstunde zu beschäftigen, da sie einen ausgeprägten Bewegungsdrang haben und die Lautstärke immer sehr hoch ist. Außerdem verstehen die meisten fast kein Wort Englisch, was das erklären von Spielen und Arbeitsaufträgen natürlich erheblich erschwert. Also malen wir viel mit ihnen und versuchen ganz einfache Sätze zu vermitteln. Es ist toll zu sehen, wie schön einige von ihnen malen, wenn man zum Beispiel etwas an der Tafel vorzeichnet und alle abmalen lässt.

Die Schulräumlichkeiten kommen uns bei unserer Arbeit auch nicht wirklich entgegen, da es keine Türen gibt und die Wände in den Klassenräumen nur halbhoch sind (wie man vielleicht auf den Fotos erkennen kann). Die Kinder werden hier eigentlich nur frontal unterrichtet und müssen auf Fragen vorgefertigte Antworten auswendig lernen. Somit können sie zwar viele englische Vokabeln, diese jedoch nicht anwenden, da anscheinend Grammatik nicht unterrichtet wird. Da wir die lokale Sprache ''Telugu'' nicht sprechen, können wir das auch nicht verbessern.

In dieser Woche haben wir ein übergreifendes Thema (Ozeane) mit allen Klassen bearbeitet und nach Altersstufe verschiedene Aufgaben und Aktivitäten durchgeführt. Mit der zweiten Klasse kann man schon etwas besser arbeiten, als mit der ersten. Wir haben zum Beispiel Papierschiffe gebastelt und ein Plakat gestaltet, für das sie dann noch Ozeantiere gemalt haben. Das hängt jetzt in ihrem Klassenzimmer an der Wand. Dringend nötig sind in den unteren Klassen Übungen zur besseren Handschrift. Viele schreiben sehr unordentlich und man kaum etwas lesen.

Vor unserer Mittagspause unterrichten wir dann noch die sechste Klasse, das sind die Ältesten der Schule. Mit ihnen kann man schon schwerere Sachen machen, aber leider sind fast alle trotzdem nicht in der Lage, auf einfache Fragen zu antworten. Das bedeutet für uns, dass wir immer versuchen bestimmte Themen zu behandeln und sie so verständlich wie nur möglich zu machen. Natürlich spielen alle Kinder auch gerne, beliebt ist zum Beispiel ''Galgenmännchen'', das spielen wir dann oft mit Vokabeln, die wir vorher durchgenommen haben.

Um zwölf beginnt für uns dann die Mittagspause, wir können zu unserem Haus gehen und uns ein bisschen ausruhen, die Arbeit ist insgesamt doch recht anstrengend. Zum Mittagessen gehen wir dann wieder zu Mrs. Usha, die sehr lecker für uns kocht.

Nach der Pause haben wir die dritte und vierte Klasse zusammen, mit ihnen malen wir auch viel und besonders beliebt ist auch hier ''Galgenmännchen''. Die fünfte Klasse ist mit Abstand die beste Klasse, besser noch als die sechste. Hier sprechen einige wenigsten ein bisschen Englisch und sind in der Lage einfache Fragen zu beantworten.

Zum Ende müssen wir dann leider nochmal die Kleinsten unterrichten, das ist immer ein Kampf, da es schon so spät am Nachmittag ist und alle ihre Energie loswerden wollen. Entsprechend laut und unruhig ist es also immer. Wir hatten diese Woche ein „schönes“ Erlebnis mit einem Jungen, der irgendwann einfach aufstand und 'bye' sagte und ging. Zu dieser Tageszeit sind sie wirklich sehr schwer zu kontrollieren.

Nach der Schule sind wir immer ziemlich ausgelaugt, aber dann warten zu Hause natürlich noch so schöne Dinge wie putzen oder waschen auf uns. Das Haus ist wirklich schwer sauber zu halten, wenn man das Fenster öffnet, weht Staub von draußen herein, aber sonst ist es zu stickig. Auch ist das Haus an manchen Stellen wirklich unlogisch gebaut, so dass das Wasser im Bad nicht richtig abläuft und so...

Wir gehen fast jeden Tag Obst einkaufen, was für uns immer wieder aufs neue ein Erlebnis ist, da wir darauf spekulieren müssen, wer im Moment am Obststand ist. Es versteht nur einer ein bisschen Englisch, von den anderen haben wir immer das Gefühl abgezogen zu werden, aber man kann sich wegen der fehlenden Sprachkenntnisse so schwer verständlich machen. Besonders gerne essen wir Granatäpfel, die hier wirklich lecker sind, und Kokosnüsse.

So gegen halb sechs gehen wir dann nochmal zu Mrs. Usha zum Tee/Kaffee - trinken. Dort haben wir dann Gelegenheit, sie über die indische Kultur und besonders das indische Dorfleben auszufragen. Sie erzählt auch viel von der Geschichte der Schule und den Erlebnissen, die sie mit vorigen Freiwilligen hatte.

Nach dem Abendessen müssen wir dann immer noch den Unterricht für den nächsten Tag vorbereiten, was meisten auch nochmal einige Zeit in Anspruch nimmt.

Zum Glück hat es Mrs. Usha vor unserer Ankunft geschafft, das Internet in der Schule zum laufen zu bringen, so dass wir hier mit unseren Netbooks immer Zugang haben. So können wir Emails und Blog-Einträge immer schon vorschreiben.

Wir haben Mrs. Usha außerdem gefragt, ob sie uns ein bisschen indisch kochen beibringt. Sie hat gleich zugestimmt und uns gezeigt, wie man Chapatis zubereitet, das sind Teigfladen aus Weizenmehl, ein bisschen Salz und Wasser, die anschließend in der Pfanne gebacken werden. Dazu isst man leckere „Sambar“, indische Soße die je nach Zutaten immer einen anderen Geschmack bekommt. Insgesamt ist das Essen wirklich lecker, ich habe mich schnell daran gewöhnt. Nur muss man daran denken, immer ein Taschentuch mitzuhaben, da es doch manchmal ein bisschen scharf werden kann!

Jetzt am Wochenende haben wir ein bisschen Zeit für andere Dinge, zum Beispiel lesen oder mal einen Film schauen.

 

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Do

08

Sep

2011

...ein paar Fotos :)

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Mi

31

Aug

2011

Mysore – Verrückte Welt!

Von Bangalore aus begann dann unsere erste kleine Reise. Wir nahmen uns eine Rikscha zum Majestic, das ist hier DER große Busbahnhof. Er ist leider so groß, dass man Probleme hat, die richtige Stelle zum abfahren zu finden. Wir wollten uns hier mit den anderen Freiwilligen aus Bangalore und Umgebung treffen, die auch mit nach Mysore fahren wollten. Wir waren zu früh da, und hatten genug Zeit um planlos auf dem großen Gelände herumzulaufen. Leider konnte uns auch niemand weiterhelfen, wir wurden von mehreren Leuten in unterschiedliche Richtungen geschickt.

Nach einiger Zeit fanden wir dann aber Ina und Luisa, und schließlich auch die richtige Haltestelle. Mit der Zeit trudelten noch einige andere Freiwillige ein, so dass wir am Ende zu zehn waren. Wir mussten dann erstmal den Shuttle-Bus zur Mysore-Road nehmen, um von dort aus dann den Überlandbus nach Mysore zu bekommen. Nach etwa einer halben Stunde waren wir dann unterwegs zum Rest der Truppe. Es war sehr schön, mal alle anderen wiederzusehen und wir hatten auf der dreieinhalb stündigen Busfahrt eine Menge auszutauschen. Es war beruhigend zu hören, dass viele mit ähnlichen Problemen wie wir zu kämpfen haben.

Die Landschaft, die man vom Busfenster aus sehen konnte, veränderte sich, je weiter wir uns von Bangalore entfernten. Alles sah fruchtbarer und grüner aus, sehr schön!

Als wir dann endlich in Mysore ankamen, war es schon dunkel. Wir standen eine halbe Ewigkeit am Busbahnhof herum und versuchten ein Hotel für uns alle zu finden. Dabei versuchten uns noch einige Inder das ein oder andere Hotel aufzudrängen. Schließlich entschieden wir uns für die erste Nacht in einem Hotel direkt gegenüber dem Busbahnhof. Am nächsten Morgen standen wir recht früh auf, da wir etwas von der Stadt sehen wollten. Nachdem wir uns Brötchen und Bananen zum Frühstück besorgt hatten, machten wir uns auf den Weg. Erste Station war der Mahatma-Gandhi-Square, mit einer goldenen Statue. Von dort aus sollte es weitergehen zu einem bekannten Markt. An einer Ecke sprach uns dann ein Inder an und erklärte uns den Weg zu diesem Markt. Letztendlich übernahm er die Führung und es folgte ein echte Stadtführung! Zuerst kamen wir auf einen kleinen, alten Markt, auf dem es Gemüse, Gewürze und ähnliches gab. Die Atmosphäre war besonders, es hatte etwas verwunschenes! Danach führte er uns zu einer Zigarettenfabrik, in der die bekannten Beedies von Hand gedreht werden. Wir konnten den Arbeitern zusehen und die Schnelligkeit, mit der hier gearbeitet wird bestaunen. Weiter ging es zu einem Ort, an dem hier in Mysore Räucherstäbchen hergestellt werden. Im Innenhof eines kleinen Hauses saßen drei Frauen auf der Erde und rollten die duftenden Stäbchen. Nach ein bisschen zuschauen durften wir uns auch mal versuchen. Im Inneren des Hauses bekamen wir dann Tee gereicht und durften an verschiedenen Ölen riechen. Ein lustiger Mann erzählte uns von der Herstellung und der Wirkung von den verschiedenen Ölen und wir wurden mit Duftproben auf Händen und Armen überhäuft. Fast alle von uns kauften am Ende ein kleines Fläschchen. Ich habe mir eines mit dem Duft der Wasserlilie gekauft, das soll gut gegen Mücken helfen. Der Inder führte uns dann weiter zu einem Park, der eine Oase zu dem bunten indischen Leben bildet. Dann ging es weiter, der junge Mann wollte uns mit zu sich nach Hause nehmen und dort sollten alle Mädchen Henna-Tattoos bekommen. Wir fuhren dann zu sechst in einer Rikscha und wurden auch gleich von Polizisten auf einem Motorrad angehalten, die bemängelten, dass ein Fuß aus dem Fahrzeug heraus guckte. Nach einer kurzen Fahrt kamen wir in einem Viertel an, das etwas außerhalb von Mysore liegt. Hier wohnt die Familie unseres netten Stadtführers. Wir bekamen alle ein Henna-Tattoo und etwas leckeres zu essen. Es war alles total verrückt, da keiner von uns damit gerechnet hätte, dass sich der Tag so entwickeln würde. Für viele von uns war es der bis jetzt schönste Tag in diesem verrückten Land. Zum Abschluss machten wir noch ein paar schöne Fotos mit der Familie und anderen Kindern und Leuten aus dem Viertel.

Nach der Fahrt zurück zum Hotel checkten wir aus um uns noch einmal eine billigere Unterkunft zu suchen. Wir wurden fündig und quartierten uns neu ein.

Ein paar von uns trafen sich dann nochmal mit unserem netten Stadtführer, um uns für den tollen Tag zu bedanken. Es hatte sich herausgestellt, dass er so etwas wie ein ''heimlicher'' Stadtführer ist, das war uns jedoch egal, denn wir hatten einen tollen Tag gehabt, und er hatte uns nicht nach Geld gefragt. Wir wollten in einem Geschäft Fotos entwickeln lassen und hatten eine kleine Summe vereinbart, die wir ihm geben wollten. Nachdem wir noch eine weitere nette Stunde mit ihm verbracht hatten, trafen wir dann alle anderen Freiwilligen, die in Mysore ihre Projekte haben.

Am nächsten Morgen mussten Ronja und ich sehr früh los, da wir über Bangalore nach Hause fahren mussten. Die Busfahrt nach Bangalore ging erstaunlich schnell, wir hatten noch viel Zeit bis unser nächsten Bus nach Ramasamudram gehen würde. Wir gönnten uns einen ''echten'' Kaffee ohne Zucker (sogar Cappuccino!) und kauften noch ein paar Dinge ein.

Dann versuchten wir die Stelle zu finden, an der unser Bus abfahren würde. Wir hatten zwar von Avinash, Ushas Sohn eine Beschreibung erhalten, jedoch fanden wir nach dieser nicht den richtigen Platz. Auch von den vielen Indern, die wir fragten, konnte uns niemand helfen. Wenigstens waren dabei einige so ehrlich, uns zu sagen, dass sie keine Ahnung hatten, wo es lange geht. Wir versuchten dann Avinash zu erreichen und hatten Glück, er war zu diesem Zeitpunkt in Bangalore und kam, um uns die richtige Stelle zu zeigen, die wir ohne seine Hilfe niemals gefunden hätten! Wir hatten darauf spekuliert, dass es an einer ähnlichen Stelle sein würde, wo wir auch raus gelassen worden waren, das stimmte jedoch nicht. Der Bus fuhr an einer völlig anderen Stelle, die auch nicht auf irgendeine Weise gekennzeichnet war.

Zum Glück hatten wir den Bus noch nicht verpasst und konnten sogar noch einen Sitzplatz ergattern. Bei Bollywood-Filmen in voller Lautstärke und wenig Platz ging es dann vier Stunden nach Hause.

 

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Do

25

Aug

2011

Ausflug nach Bangalore

Heute Morgen startete unser erster Ausflug nach Bangalore. Um halb elf wurden wir von Mrs. Usha zum Bus gebracht. Dieser hielt nur sehr kurz und wir wurde sofort nach Innen gezogen. Obwohl sonst in Indien (gerne auch lautstark) um die Sitzplätze gekämpft wird, hatten wir Glück und uns wurden zwei ganz vorne im Bus freigemacht. Ich saß direkt vor der Frontscheibe und hatte den perfekten Blick auf den abenteuerlichen indischen Verkehr. Obwohl der Bus alles andere als sicher aussah, brauste er mit einem Tempo über die Straßen, das einem Angst und bange wurde. Die Straßen hier auf dem Weg nach Bangalore sind nicht besonders breit, man muss das wie einen asphaltierten Streifen vorstellen, auf dem gerade so zwei Busse mit etwa 20 Zentimeter Platz dazwischen aneinander vorbeikommen. Ein Mittelstreifen oder generelle Fahrbahnmarkierungen fehlen auch meistens. Auch sind die Straßen mit oft Meter breiten Schlaglöchern übersät. Wir hatten das Vergnügen, direkt unter dem Fernseher zu sitzen, der für indische Überlandbusse obligatorisch zu sein scheint. Dort liefen die ganze Fahrt über Bollywood-Streifen, von denen wir nur den Ton hören konnten. An den Haltestellen in etwas größeren Ortschaften stiegen dann Händler in den Bus, die Essen unter die Leute brachten. Manchmal legte der Busfahrer auch eine kurze Kaffee-Pause ein. Die Fahrt dauerte etwa dreieinhalb Stunden, dann waren wir auch schon mitten in Bangalore. Wir wurden einfach mitten auf einer großen Straße abgesetzt. Die Freiwilligen, die im letzten Jahr in unserem Projekt gewesen sind, hatten uns ein Hotel empfohlen, das wir nun finden mussten. Zum Glück konnte uns gleich die erste Person die wir fragten weiterhelfen. Das Hotel ist recht schön gelegen, etwas abseits vom Lärm der Großstadt. Wir haben hier sogar western toilets und kostenloses Internet!

Nachdem wir hier angekommen waren, verabredeten wir uns mit Ina und Luisa, die in Bangalore in einem Projekt arbeiten. Nach einigen Schwierigkeiten, unsere jeweiligen Positionen verständlich zu machen, trafen wir uns schließlich an einer Mall, die ziemlich an deutsche Kaufhäuser erninnert. Dort haben wir gemeinsam einen Kaffee getrunken und unsere Erlebnisse ausgetauscht. Dann sind wir mit dem Bus in die Commercial Street gefahren, was hier so die größte Einkaufsmeile ist. Hier sind Unmengen von kleinen Shops und Ständen, bei denen man Klamotten, Schuhe und Ramsch einkaufen kann. Wir sind ein bisschen herumgelaufen und haben alles bestaunt. An die Menge an Menschen und die vielen Eindrücke muss man sich erstmal gewöhnen! Den Rückweg zu finden, war nochmal ein kleines Abenteuer, aber schließlich sind wir doch wieder gut zurückgekommen. Morgen startet dann das nächste Abenteuer, wir wollen mit den anderen Freiwilligen aus Bangalore nach Mysore fahren...

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Do

25

Aug

2011

Ramasamudram

Hallo ihr lieben!

Jetzt bin ich schon fast eine ganze Woche in Ramasamudram, einem kleinen Dorf in Andhra Pradesh, Indien. Und es ist schon so einiges passiert...

Am letzten Tag des Seminares in Bangalore sind Ronja und ich mit Sheela, einer Mitarbeiterin vom ICDE losgefahren. Wir wollten auf die Hochzeit des Sohnes unserer Projektleiterin Mrs. Usha fahren. Wir freuten uns sehr, dass wir die Chance bekommen sollten, gleich zu Beginn des Jahres eine traditionelle Hochzeit mitzuerleben. Nachdem wir uns in Bangalore noch zwei Garnituren Klamotten (zu sicher überhöhten Preisen) zugelegt hatten, ging es los. Nach etwa dreieinhalb Stunden Fahrt durch das Umland von Bangalore kamen wir in dem Ort an, in dem die Hochzeit stattfinden sollte. An diesem Abend kamen alle Verwandten und Freunde, zum dem Brautpaar die Geschenke und Glückwünsche zu überbringen. Die Zeremonie sollte am nächsten Tag stattfinden. Das ganze fand in einer großen Halle statt, in der Plastikstühle herumstanden, auf denen viele Leute saßen. Wir wurden natürlich von allen neugierig beäugt. Nachdem wir zugesehen hatten, wie sich das Brautpaar mit dutzenden von Leuten hatte fotografieren lassen, mussten wir uns selber auch dazustellen. Wir fühlten uns sehr unwohl...

Danach ging es zum Essen ein Stockwerk tiefer. Hier waren lange Tische aus Metall aufgestellt, auf denen Blätter von Bananenstauden lagen (bei festlichen Anlässen isst man hier davon), alles sah aus wie in einer Massenabfertigung. Von leicht bekleideten Männer (nur mit einem Tuch, das wie ein Küchenhandtuch aussah um die Hüfte bekleidet) wurde das Essen auf die Blätter geschaufelt. Wir waren sehr froh, dass Sheela da war, und uns sagen konnte, was wir essen konnten und was lieber noch nicht. Auch das Wasser sollten wir auf keinen Fall trinken (es sah auch sehr unhygienisch aus...). Nach dem Essen wurden wir in das ''Hotel'' gebracht, in dem wir übernachten sollten. Uns wurde zuerst ein Zimmer zugewiesen, in dem ein Bett für eine Person stand. Zum Glück kümmerte sich Sheela dann darum, dass wir ein Doppelzimmer bekamen, und Wasserflaschen mit Trinkwasser. Das Zimmer sah insgesamt so aus, als würde es eher selten geputzt. Der Geruch von allen Sachen war alles andere als angenehm. Uns blieb jedoch nichts anderes übrig, als uns mit diesem ersten Kulturschock abzufinden. Uns war gesagt worden, dass wir von einem Verwandten von Mrs. Usha am nächsten Morgen früh um fünf abgeholt werden würden, um der Hochzeitszeremonie beiwohnen zu können. Also standen wir früh auf, es kam jedoch niemand. Erst um zehn Uhr wurden wir abgeholt, da war natürlich schon alles gelaufen und wir hatten das spannendste an der Hochzeit verpasst. Ein echter Flop!

Auch war uns gesagt worden, dass wir nur eine Nacht übernachten würden und am nächsten Tag nach Ramasamudram in unser Projekt fahren würden. Morgens erfuhren wir dann aber, dass wir noch eine weitere Nacht bleiben würden. Den Tag vertrieben wir uns dann damit, mit einigen Kindern, die in irgendeiner Weise mit Mrs. Usha verwandt sind, zu spielen. Da dies ganz gut funktionierte, sahen wir unserer Arbeit hier in der Modern English Medium School optimistisch entgegen. Abends hatte ich dann zum ersten Mal Probleme mit dem indischen Essen, ich habe es nicht sehr lange bei mit behalten...

 

Am nächsten Morgen sind wir dann endlich nach Ramasamudram aufgebrochen. Unser Gepäck wurde auf einen Kleinlaster verladen, wir hatten Angst, dass wir es nie wiedersehen würden... Ronja und ich sind dann mit neun weiteren Personen in einem Jeep losgefahren. Die indische Fahrweise ist für mich immer noch sehr gewöhnungsbedürftig. Jedes Verkehrsmittel ist zugelassen, so scheint zumindest. Neben ganzen Schafherden finden sich noch einige andere Fortbewegungsmittel auf der Straße. Gewagte Überholmanöver sind hier auch nichts ungewöhnliches. Die Fahrt ging vorbei an wunderschönen Reisfeldern und durch kleine Dörfer.

Nach etwa zwei Stunden Fahrt kamen wir dann endlich in Ramasamudram an. Wir hielten direkt vor der Schule, in der wir das kommende Jahr unterrichten werden. Sie war viel kleiner, als ich es mir vorgestellt hatte. Mrs. Ushas Haus grenzt direkt an den Schulhof. Hier gingen die Feierlichkeiten der Hochzeit nun noch weiter. Es gab noch einmal ein besonderes Essen im Familienkreise. Abends durften Ronja und ich dann endlich in unser neues zuhause. Es ist etwa fünf Minuten von der Schule entfernt. Es ist ein zweistöckiges Gebäude mit zwei Wohnungen und einem großen Flachdach, das die meisten Häuser hier zum Wäschetrocknen haben. Das Haus ist grün-orange angestrichen und sieht recht nobel aus, vor allem im Vergleich zu den Häuser drum herum. In der unteren Etage hat bis vor kurzen noch eine Familie gewohnt, die für die vorigen Volunteers wir eine Gastfamilie war, jedoch gab es da Probleme. Nun haben wir das ganze Haus für uns, sollen aber erstmal nur oben wohnen. Etwas anderes macht im Moment auch gar keinen Sinn, denn im Haus befinden sich keine Möbel. Wir schlafen auf Matratzen, die ihre besten Zeiten eindeutig schon hinter sich haben. Auch riecht alles nicht besonders gut, die Gerüche verschwinden jedoch nach dem waschen nicht. Alles in allem sind alle Räume nicht wirklich sauber, es ist jedoch auch schwierig für uns, sie zu putzen, da wir keinerlei Putzmittel oder Besen haben. In den ersten Tagen hatten wir sogar Probleme mit dem Wasser, weil etwas mit dem Wassertank auf dem Dach nicht in Ordnung war. Die sanitären Anlagen dieses Hauses lassen auch stark zu wünschen übrig. Dies sind alles Dinge, an die wir uns erstmal gewöhnen müssen.

Die Straßen in Ramasamudram sind fast alle nicht gepflastert, wenn es regnet verwandelt sich alles in Matsch. Außerdem leben hier die Leute eng mit den Tieren zusammen, überall stehen die Kühe vor den Häusern und Ziegen und Schafe laufen zusätzlich zu den Hunden und Katzen herum. Das „Abwassersystem“ liegt offen, die fehlende Müllentsorgung verstärkt den unhygienischen Gesamteindruck noch einmal. In den ersten Tagen haben wir uns ziemlich viel gelangweilt, da Mrs. Usha wegen der Hochzeit kaum Zeit für uns hatte. Zum Glück haben wir beide unsere Netbooks und einige Bücher dabei. In diesen Tagen waren wir sehr deprimiert, da wir uns nicht vorstellen konnten, hier ein ganzes Jahr bleiben zu müssen. Es gibt hier im Dorf keine Möglichkeiten, an Yoga-Kursen oder ähnlichem teilzunehmen, die meisten Menschen können kaum ein Wort Englisch sprechen. Ein kleiner Trost war dann, dass uns Mrs. Ushas Sohn Handykarten besorgte und wir endlich wieder ein Kommunikationsmittel haben!

 

Am Montag war dann unser erster Schultag. Alles startet um 9:20 mit einem Prayer, bei dem ein Hindu-Gebet, ein muslimisches Gebet und das ''Vater Unser'' gesprochen werden. Damit werden die Kinder schon früh an die Religionspluralität in Indien herangeführt. Danach singen alle zusammen die Nationalhymne.

Der Unterricht findet in nicht voneinander abgegrenzten Räumen statt, so dass der Geräuschpegel immer sehr hoch ist. Nur im ersten Stock gibt es zwei Räume, in denen es etwas ruhiger zugeht.

Die Kinder kommen hier schon mit drei in die Schule und haben normalen Unterricht. Die Modern English Medium School geht bis zur sechsten Klasse. Wir sollten uns in den ersten Tagen erstmal zu den Klassen dazusetzen und schauen, wie hier alles läuft. Es ist immer sehr laut und chaotisch, es ist schwer, die Kinder ruhig zu halten. Ein große Enttäuschung war für uns, dass die Kinder nur sehr schlecht Englisch sprechen können. Sie verstehen fast nichts von dem was wir sagen, oft noch nicht einmal die einfachsten Anweisungen. Außerdem ist die Aussprache oft nicht zu verstehen. Die Kinder wissen zwar viele Vokabeln, die sie auswendig gelernt haben, jedoch können sie nicht einmal die einfachsten Sätze bilden. Wir haben die letzten Tage versucht, einfache Spiele wir ''Hangman'' oder ''Eckenrechnen'' zu spielen. Das hat so einigermaßen funktioniert... Jetzt müssen wir uns ein Unterrichts-Konzept überlegen, mit dem man vielleicht etwas sinnvolles bewirkt. Die Kinder haben Englisch-Bücher, in denen viele gute Dinge stehen, jedoch können sie das alles nicht verstehen, da sie nur einzelne Vokabeln kennen und keine Sätze. Man hat das Gefühl, sie lernen nur auswendig, ohne wirklich zu verstehen, was sie sagen. Einen Jungen habe ich Fragen aus seinem Buch abgefragt und er konnte die ganzen Antworten, die dort standen, auswendig aufsagen, dann jedoch im Folgenden nicht auf einfache Anweisungen reagieren. Das einzige, was wirklich alle Kinder fragen können, ist: ''What's your name, miss?''

Ab und zu hat man dann doch mal ein kleines Erfolgserlebnis, wenn einen eines der Kinder versteht. Sie sind alles sehr süß :) Ich kann mir jedoch im Moment noch nicht vorstellen mit den Kindern zu singen, da sich der Geräuschpegel dann noch einmal nach oben verschieben würde, aber wir werden es ausprobieren.

Mittlerweile haben wir es auch geschafft, die Internetverbindung der Schule auch auf unseren Netbooks zum laufen zu bringen, vielleicht können wir jetzt von dort aus ab und zu ins Internet gehen. Mrs. Usha hat jetzt auch mehr Zeit für uns, sie ist sehr nett und erklärt uns alles. Mittwoch Nachmittag sind wir mit ihr etwas auf der Hauptstraße des Ortes gelaufen und sie hat uns gezeigt, wo man was kaufen kann. Wir haben dann auch gleich unsere dritte Garnitur indische Klamotten gekauft. Bevor man hier in den Laden geht, zieht man seine Schuhe aus und setzt sich dann drinnen auf den Fußboden. Die verschiedenen Modelle werden einem dann gezeigt. Auch muss man darauf achten, das Geld auf keinen Fall mit der linken Hand zu geben oder zu nehmen, da dies sehr unhöflich ist (wir sind natürlich sofort ins Fettnäpfchen getreten...). Auch die Wohnhäuser sollte man nicht mit Schuhen betreten.

Da Donnerstag, Freitag und Sonnabend Tests geschrieben werden, haben Ronja und ich ein verlängertes Wochenende. Wir wollen nach Bangalore fahren, und die anderen Freiwilligen treffen. Mal sehen, ob das alles so klappt.... :D

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Fr

12

Aug

2011

Angekommen - 11.08.2011

Hallihallo das erste mal aus Indien! Endlich habe ich es geschafft! Fast alle anderen Freiwilligen und ich sind im Arrival-Camp am Rand von Bangalore eingetroffen. Einige fehlen noch, da sie nicht mehr rechtzeitig das Visum bekommen habe, und der Flug deswegen umgebucht werden musste. Gegen zwölf war ich mit Anna, Jasmin und Doro am Flughafen, nachdem ich mich schon zu hause von Simon und meiner Familie tränenreich verabschiedet hatte. Dort warteten auch schon einige andere Freiwillige darauf, dass die lang ersehnte Reise endlich losgehen konnte. Bis zuletzt hatte ich Zweifel, ob ich die Mengen Gepäck + Gitarre einchecken können würde, aber es war letztendlich kein Problem. Nach noch einem Abschied ging es dann mit den anderen Freiwilligen in Richtung Flugzeug. Einige kannte ich bereits von dem Seminar am Wannsee, die anderen lernte man dann im Lauf des Fluges kennen. Mit den Namen tue ich mir mal wieder schwer, aber das wird schon noch :) Der erste Flug dauerte sieben Stunden von Frankfurt noch Muscat, Oman. Da das Flugzeug sehr leer war, hatte ich zwei Plätze für mich alleine, was den Komfort noch einmal erheblich erhöhte. Eine große Filmauswahl verkürzte die Zeit, das Essen war sogar auch in Ordnung. Das einzige, das etwas nervte, war die Panflöten-Musik, die die meiste Zeit dudelte. Im Oman mussten wir dann umsteigen. Beim Verlassen des ersten Flugzeuges bekamen wir den ersten Eindruck von sehr heißem Wetter. Obwohl schon 22:00 Nachts, war es drückend warm und feucht. Nach zwei Stunden Wartezeit bestiegen wir dann das nächste Flugzeug. Hier war alles weniger komfortabel, die Sitze ließen sich nicht verstellen und somit wurde es beinahe unmöglich einigermaßen gut zu schlafen. Da etwas am Flugzeug zudem noch einen technischen Defekt hatte, starteten wir erst mit erheblicher Verspätung in Richtung Indien. Mit etwa eineinhalb Stunden Verspätung landeten wir in Bangalore. Dort dauerte es noch einmal sehr lange, bis wir alle unsere Gepäck in den Händen hielten und etwas Euro in Rupees wechseln konnten. Draußen warteten schon die Leute vom ICDE, der indischen Partnerorganisation des ICJA auf uns. Wir bekamen jeder eine Rose überreicht und machten uns dann auf den Weg zu den Bussen, die uns zum Arrival-Camp bringen sollten. In einem Bus wurde das gesamte Gepäck verstaut, in dem anderen fuhren die meisten von uns durch die Außenbezirke von Bangalore. Auf dieser langen Fahrt konnten wir uns einen ersten Eindruck von dem Land verschaffen, in dem wir alle die nächsten zwölf Monate verbringen werden. Schon diese kurze Zeit zeigte die enormen Unterschiede zwischen den sozialen Schichten auf: riesige Plakatwände neben kleinen Baracken auf, villenähnliche Gebäude neben mit Müll übersäten Plätzen und vieles mehr... Die Eindrücke waren überwältigend und aufwühlend zugleich! Da wir alle vom anstrengenden Flug sehr müde geworden waren, schliefen wir fast alle auf der Busfahrt zum Camp trotz der vielen Eindrücke ein. Das Camp liegt etwas außerhalb. Mehrere Gebäude umschließen einen quadratischen Platz. Es gibt sogar einen Pool und ein Becken, in dem man seine Füße baden kann. Die Zimmer sind auch sehr großzügig, ich wohne mit Nina, einer anderen Freiwilligen aus Deutschland in einem Zwei-Bett-Zimmer mit eigenem Bad, also der pure Luxus. Über die ''western toilet'' und das Klopapier haben wir uns natürlich sehr gefreut. Die ersten zwei Male indisches Essen gab es auch schon, bis jetzt ist mir alles gut bekommen. Die Leute hier sind sehr nett, jedoch fällt die Verständigung manchmal nicht so leicht. Im Moment spielen auf dem quadratischen Platz einige indische Männer Cricket, jedoch verstehe ich immer noch nicht die Regeln dieses hier so beliebten Spiels. Während ich hier in meinem Zimmer sitze und schreibe ist schon das zweite Mal der Strom ausgefallen. Dann geht hier das Licht aus und der Ventilator stellt seinen Dienst ein. Jedoch wird er auch noch nicht so dringend benötigt, da die Temperaturen auch mit etwas längeren Klamotten, die Knie und Schultern bedecken, auszuhalten sind. Morgen geht es offensichtlich mit dem Seminar los, jedoch hält es sich mit Informationen sehr in Grenzen. Wundert euch nicht, wenn ich in Zukunft mehrere Einträge gleichzeitig poste, hier gibt es aber bis jetzt noch kein Internet und ich schreibe die Einträge immer schon vor wenn mir danach ist. Ich finde es toll, dass ihr alle so viel an mich denkt und hoffe ich kann euch das mit vielen Einträgen und Berichten über das, was hier so alles passiert, zurückgeben.

Unser Camp Unser Camp
erstes indisches Essen erstes indisches Essen
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So

07

Aug

2011

Nur noch wenige Tage...

Jetzt ist es wirklich nicht mehr lange hin, bis ich den Flieger in Richtung Oman und dann von dort nach Bangalore besteigen werde. Am Freitag Abend hatte ich eine schöne Abschiedsfeier mit meinen lieben Freunden, die ich alles sehr vermissen werde!

Jetzt bin ich mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt, stelle zum Beispiel mit meiner Mama die Reiseapotheke zusammen und so weiter. Es gibt noch viel, an das man denken muss!

Auch das Visum ist immer noch nicht fertig. Am letzten Montag habe ich es mit Martin und Ina, zwei Freiwilligen, die mit mir zusammen nach Indien fliegen werden in Frankfurt beantragt. Schon im Vorfeld hatten wir große Probleme damit, die Unterlagen zusammenzubekommen und ein Dokument aus Indien fehlte am Tag der Beantragung sogar noch... Außerdem kam noch erschwerend hinzu, dass das Verfahren der Beantragung zum Juni hin umgestellt wurde, so dass wird auch noch Probleme mit dem Online-Formular hatten und es große Verwirrungen darum gab, welche Dokumente benötigt werden. Jetzt hoffe ich mal, dass ich das Visum morgen abholen kann!

Wenn alles soweit glatt läuft, dann werde ich am Mittwoch nach Indien losfliegen. In Bangalore haben wir dann ein Seminar mit den anderen Freiwilligen. Das werden dann meine ersten Schritte in eine völlig fremde Kultur werden. Noch kann ich mir das alles nicht vorstellen, aber gespannt bin ich trotzdem sehr!

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So

24

Jul

2011

Bald geht es los!

Seit gestern bin ich vom Vorbereitungsseminar in der Berliner Südsee (Haus Kreisau in Kladow) zurück. Mit einer guten Gruppe und tollen Teamern haben wir dort sehr bunte und bereichernde zehn Tage verbracht. Viele Themen, die mit unserem Freiwilligendienst zusammenhängen, wurden bearbeitet und diskutiert. Am letzten Abend haben wir dann eine lustige Abschlussparty mit speziellem "dress-code" gefeiert: jeder musste sich unter dem Motte "Recycling" Klamotten aus alten Zeitungen, Müllsäcken oder anderen Singen basteln. Dabei sind sehr kreative Sachen herausgekommen...

Mit dem ganzen positiven Input aus dem Seminar bin ich jetzt wieder zuhause angekommen. Hier gibt es noch einiges zu erledigen, vor allem die Beantragung des Visums wird noch einmal stressig werden. Da immer noch einige Unterlagen aus Indien fehlen, wird dies auch noch ein bisschen dauern.

Mit dem Seminar, auf dem ich auch ein paar der anderen Indien-Fahrer kennengelernt habe, ist auch die Vorfreude auf das Kommende gestiegen. Die verbleibenden zweieinhalb Wochen werde ich dafür nutzen sie noch weiter zu steigern und mich von all den lieben Leuten in Deutschland für ein Jahr zu verabschieden.

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